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Staatsschulden und Schuldenstaaten : Europa braucht ein neues Wachstumsmodell
Entstehung
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April 2010 direkt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Staatsschulden und Schuldenstaaten Europa braucht ein neues Wachstumsmodell Michael Dauderstädt 1 Auf einen Blick In der Krise wachsen Haushaltsdefizite und Staatsschulden, ohne die jedoch die Rezession noch schlimmer ausgefallen wäre. Einigen hoch verschuldeten Ländern scheint der Staatsbankrott zu drohen. Die Lösung dieser Probleme liegt in einem anders verteilten Wachstum. Es kann aber nur dadurch entstehen, dass die Überschüsse der reichen Länder und privaten Gläubiger­haushalte abgebaut werden wenn nicht über den Markt, dann durch politisch und demokratisch kontrollierte Finanztransfers, die in Europa mehr supranationales Denken erfordern. Das Wachstum und schon erreichte Niveau der Staatsschulden, das viele Investoren beunruhigt, ist relativ jung. Im Herbst 2008 hatten die Vermögens­besitzer und die Institutionen, die diese Vermögen verwalten, andere Sorgen. Nach gewaltigen Zuwäch­sen in den Boomjahren davor drohte der gesamte Reichtum zu verschwinden, als der amerikanische Staat Lehman Brothers nicht zu retten beschloss. Diese Entscheidung wird inzwischen als Irrtum an­gesehen und tatsächlich drehten die Regierungen und Zentralbanken angesichts des massiven Schocks den Geldhahn voll auf. Zwar konnte der schlimmste Wachstumseinbruch der Nachkriegszeit nicht ver­hindert werden, aber sein Verlauf scheint zumindest erheblich abgeschwächt zu sein. Für 2010 kann man schon wieder mit wenn auch schwachem Wachs­tum rechnen. Mit den Schulden wachsen die Vermögen Wachstum und Schulden stehen in einem engen Zu­sammenhang(siehe Tabelle 1). In Aufschwüngen verschulden sich die Unternehmen, in Krisen die Staaten. Auch in dieser Krise sind viele Schuldner in Misskredit geraten. Den Gläubigern und Investoren wurde es mulmig und sie versuchten, neue Schuld­ner zu finden. Tabelle 1 zeigt die gewaltigen Um­schichtungen. Unternehmen fragten weniger Kre­dite nach, da sie angesichts des globalen Nach­frageeinbruchs Investitionen zurückstellten. Sie ver-