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Wie kann Ausstiegsarbeit gelingen? : Ausstiegsprozesse aus der rechten Szene
Entstehung
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1| 2010 Expertisen für Demokratie Wie kann Ausstiegsarbeit gelingen? Ausstiegsprozesse aus der rechten Szene 1. Distanz und Distanzierung Zum Stand der Forschung Woran kann es liegen, dass Menschen, die sich in durchaus vergleichbaren Lebenslagen und-situatio­nen befinden, sich politisch unterschiedlich orien­tieren, der eine bspw. zum Rechtsextremisten wird, der andere dagegen sich gegenüber dem rechten Extremismus(relativ)immun zeigt? Und: Wo­durch kommen rechtsextrem Orientierte von ihrer antidemokratischen Position wieder weg und gelan­gen zu einem sozial akzeptierten politischen Stand­ort? Sucht man nach Antworten auf diese Fragen, wird man in der sozialwissenschaftlichen Literatur kaum fündig. Distanz Während die Fülle an Texten über Ursachen des Rechtsextremismus inzwischen die Bücherschränke bersten lässt, bleibt die Ausbeute an Befunden zur Frage, warum jemand nicht rechtsextrem wird, äußerst bescheiden. Gleichwohl: Bilanziert man summativ die nur vereinzelt dazu vorliegenden Erkenntnisse der politischen Sozialisations- bzw. Jugendforschung(vgl. vor allem zusammenfassend: Wahl u. a. 2005; auch Hopf/Rieker/Sanden-Marcus 1995; Kracke u. a. 1993; Rieker 1997; Butz/Boehnke 1997; Möller 2000; Rippl 2002; Kleinert 2004), so lassen sich als die wichtigsten resistenzförderlichen Faktoren der Sozialisation vor allem konstatieren: Für den Bereich der Familie: Sicher-autonome subjektive Bindungsrepräsentationen, die von Respekt, Vertrauen, liebevoller Zuwendung und nur seltener Zurückweisung geprägt sind, insbe­sondere verlässliche, ja Geborgenheit stiftende Beziehungen zu den Eltern und eine insgesamt positive familiale Kommunikation, zumindest aber die Möglichkeit zur Kompensation entspre­chender Defizite durch Rückgriffe auf verwandt­schaftliche Netzwerke; Für den Bereich der Familie wie des weiteren sozialen Umfelds: die Vorbildwirkung von demokratieori­entierten, in jedem Fall aber extremismus- sowie generell ausgrenzungs- und gewaltdistanzierten Haltungen; Für den Bereich der Schule bzw. des Berufs: sinnstif­tende, an den Interessen von Schüler/innen an­knüpfende, aber auch ihnen Weiterentwicklungs­möglichkeiten gewährende Lernerfahrungen mit Gelegenheiten zum Erleben von Selbstwirksamkeit und Selbstwert; Forum Berlin Impressum| Herausgegeben von Nora Langenbacher, Friedrich-Ebert-Stiftung, FORUM BERLIN| Text: Prof. Dr. Kurt Möller| Redaktion: Dr. Angela Borgwardt|© Friedrich-Ebert-Stiftung 2010| Hiroshimastraße 17| 10785 Berlin| Tel.+49(0) 30 26935-7309| Fax+49(0) 30 26935-9240| Gestaltung: pellens.de| ISBN 978-3-86872-402-8| www.fes-gegen-rechtsextremismus.de| FES GEGEN RECHTS EXTREMISMUS