August 2010 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Noch mehr unbezahlt? Wie konservative(Geschlechter)Politik mit der Betreuungsarbeit verfährt Barbara Stiegler 1 Auf einen Blick Die geplante, ersatzlose Streichung des Elterngeldes für ALG II Bezieherinnen und Bezieher wird mit Recht als besonders unsozial kritisiert. Die Ungerechtigkeit liegt darin, dass die Streichung überproportional die finanziell schwächeren Mütter und Väter trifft, insbesondere Alleinerziehende. Überraschend ist sie nicht: Die Streichung ist nämlich ein Ausdruck einer konfusen Anerkennungspraxis von Betreuungsarbeit(Care-Arbeit). Betreuungsarbeit wird bisher nirgendwo ein eigenständiger Wert zuerkannt, deswegen kann sie immer wieder als Verschiebemasse missbraucht werden. 1. Ungerecht und widersprüchlich: Zur Behandlung der Betreuungsarbeit durch konservative(Geschlechter)Politik Die Kürzungen des Elterngeldes, die im Sparpaket der Bundesregierung insgesamt mit 600 Millionen Euro veranschlagt sind, steuern auch die Geschlechterverhältnisse: Sie verstärken einerseits die bereits vorhandene Ungerechtigkeit, die in der staatlichen Unterstützung von reichen und dem Entzug dieser Unterstützung für arme Väter und Mütter liegt. Die Streichung des Elterngeldes für ALG II Empfängerinnen und Empfänger, die einer Einsparung von 440 Millionen Euro entspricht, vermehren andererseits auch den Umfang unbezahlter Betreuungsarbeit, die traditionell eher von Frauen geleistet wird. Dadurch wird die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern verschärft. Die geplanten Kürzungen basieren auf einer höchst widersprüchlichen Behandlung der Betreuungsarbeit: Während sie für ALG II Bezieherinnen und Bezieher gänzlich zur unbezahlten Arbeit werden soll, wird dieselbe Arbeit für Erwerbstätige mit einer Summe von bis zu 1.800 Euro aus Steuermitteln hono-
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Noch mehr unbezahlt? : Wir konservative (Geschlechter)Politik mit der Betreuungsarbeit verfährt
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