PERSPEKTIVE| FES SÜDKAUKASUS Wirtschaftsliberalismus in Georgien Verspielt die Regierung durch eine marktradikale Politik den Anschluss an Europa? MATTHIAS JOBELIUS November 2010 n Zwei Jahrzehnte nach dem Ende des real existierenden Sozialismus ist Ideologie in Georgien wieder zum Problem geworden – diesmal von rechts. Wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungsträger ordnen sich der radikalen Strömung des Libertarismus zu. Sie lehnen Eingriffe in die Wirtschaft und die Bereitstellung öffentlicher Güter wie Bildung und Gesundheit durch den Staat grundsätzlich ab. n Durch die regulationsfeindliche Wirtschaftspolitik der Regierung wird das Tempo der EU-Annäherung Georgiens verlangsamt. Maßnahmen wie das geplante Verbot neuer Aufsichtsbehörden stehen in Widerspruch zur Notwendigkeit, europäische Standards und Regulationsverfahren zu übernehmen. n Georgien verabschiedete im Jahr 2006 ein neues Arbeitsgesetz, das als eines der arbeitnehmerfeindlichsten Gesetze der Welt gilt. Durch den mit diesem Gesetz einhergehenden Abbau von Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechten gerät Georgien in Konflikt mit ILO-Kernarbeitsnormen und der Europäischen Sozialcharta. n Wer sich für ein libertäres Experiment wie in Georgien entscheidet, entscheidet sich zugleich für einen autoritären Regierungsstil. Anders wären die einschneidenden Strukturanpassungen nicht durchsetzbar. Die ideologisierte Wirtschaftspolitik ist daher direkt verbunden mit dem Demokratiedefizit im Land.
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Wirtschaftsliberalismus in Georgien : verspielt die Regierung durch eine marktradikale Politik den Anschluss an Europa?
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