INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Organisationsidentität und-reform sozialdemokratischer Parteien in Europa MATTHIAS MICUS November 2010 Die traditionellen Großparteien befinden sich in einer tiefgreifenden Krise. Sozialdemokratische Parteien sind Volksparteien, Massenparteien und Arbeiterparteien nur noch aus historischen Gründen und ihrem Selbstverständnis nach. Zahlreiche Reformansätze, denen gemeinhin und oftmals einseitig positive Eigenschaften zugeschrieben werden, besitzen bei genauerem Hinsehen problematische, nicht intendierte Begleiterscheinungen. Dennoch lassen sich im internationalen Vergleich eine ganze Reihe erfolgversprechender Innovationen identifizieren, von der Kandidatenrekrutierung in Amsterdam über die Mitgliederwerbung in der Steiermark bis hin zur Mobilisierung von Parteisympathisanten in Spanien. Inhaltliche Kurswechsel sind auch dann nicht ungefährlich, wenn der zuvor eingeschlagene Kurs zu Wahlniederlagen, Mitgliederverlusten und Imageschäden beizutragen scheint. Strategische Neujustierungen müssen glaubwürdig sein, dazu müssen die eingeschlagenen Veränderungen weitreichender und nachhaltiger sein, als es Ad-hoc-Schwerpunktverlagerungen im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit Wahlniederlagen zu sein pflegen. Technische Innovationen, etwa mit Blick auf den Internetauftritt, verändern allein relativ wenig. Es bedarf auch einer schlüssigen Zielperspektive, einer über das unmittelbare Hier und Jetzt hinausweisenden Erzählung, eines – wenn man so will – utopischen Überschusses. Mit anderen Worten:»Wer keine Visionen hat, dem haucht kein Spin-Doktor Leben ein und dem nützt die beste Homepage nichts.«
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Organisationsidentität und -reform sozialdemokratischer Parteien in Europa
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