INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Die Türkei vor den Parlamentswahlen Eine verfassungsändernde Mehrheit für die AKP? STEFAN HIBBELER/MICHAEL MEIER Juni 2011 Die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung(AKP) von Ministerpräsident Erdoğan wird auch nach den kommenden Parlamentswahlen allein regieren können, auch wenn offen bleibt, ob er eine verfassungsändernde 2/3 Mehrheit erhält. Als Oppositionsparteien werden die Republikanische Volkspartei(CHP) sicher, die Partei der nationalistischen Bewegung(MHP) knapp und die Partei des Friedens und der Demokratie(BDP) über unabhängige Kandidaten ins Parlament einziehen. Der Wahlkampf wird von den Auftritten der Parteiführer geprägt, die auch maßgeblich die Kandidatenauswahl bestimmt haben. Erdo ğ ans AKP setzt auf Kontinuität, Wirtschaftserfolge sowie neue Großprojekte. Die CHP Kemal Kılıçdaroğlus betont soziale Themen und hat sich von der Fokussierung auf die Bewahrung des Kemalismus und Laizismus gelöst, während die BDP die Interessen der Kurden vertritt. Zur Erhöhung der politischen Spannungen im Wahlkampf tragen äußere Eingriffe wie die Erpressung der MHP mit Sexvideos sowie die Nichtzulassung von unabhängigen Kandidaten bei, die von der BDP unterstützt werden. Nach der Wahl ist mit dem Beginn der lange erwarteten Verfassungsdiskussion, in der Ministerpräsident Erdo ğ an eine Präsidialverfassung anstrebt, zu rechnen. Sollte die AKP keine eigene Zweidrittelmehrheit gewinnen, bleibt abzuwarten, ob sie zu Kompromissen bereit ist. Demokratisierung, Dezentralisierung und die Lösung des Kurdenproblems werden die wichtigsten Themen der Nachwahlzeit sein.
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Die Türkei vor den Parlamentswahlen : eine verfassungsändernde Mehrheit für die AKP?
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