Von Mercedes und Monarchie: Deutsch-Englische Nationalstereotypen im Spiegel der Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft 1990 Von Matthias Hoffmann 1 "Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans always win." Gary Lineker 2 „A Football team represents a way of being, a culture“- Michel Platini 3 1. Einleitung Turin, Stadio Delle Alpi, 4. Juli 1990, Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft: Chris Waddle legt sich den Ball auf dem Elfmeterpunkt zurecht. 120 Minuten sind gespielt, Brehme und Lineker hatten in der regulären Spielzeit getroffen, der Finalgegner Argentiniens wird im Elfmeterschießen ermittelt. Stuart Pearce war am deutschen Torhüter Bodo Illgner gescheitert, Waddle muss also treffen, um seine Mannschaft im Spiel zu halten. Der englische Mittelfeldspieler nimmt auffallend langen Anlauf, doch er jagt den Ball über die Latte. Sein Team ist ausgeschieden und die deutsche Mannschaft darf nach Rom fahren. Mythen, die im nationalen Bewusstsein beider Länder verfestigt waren, bestätigten sich an diesem Abend: Das in England verbreitete Bild der akribischen, selbstbewussten und eiskalten Deutschen schien im WM-Turnier von der DFB-Auswahl belegt worden zu sein, ebenso wie die Kämpfer von der Insel ihrem Ruf in Deutschland gerecht wurden, zwar beherzte, letztlich aber doch unglückliche Fußballer zu sein. 1 Dieser Text ist eine gekürzte und überarbeitete Fassung des Beitrags„Nationalismen in der Fußballberichterstattung“ desselben Autors in: Christian Haberecht und Boris Herrmann(Hg.)(2009): Fußball und Nationale Identität in Europa. Berlin. Wir danken dem Autor, den Herausgebern und dem Wissenschaftlichen Verlag Berlin für die nochmalige Veröffentlichung im Rahmen der OnlineAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die inhaltliche Verantwortung für die Beiträge im Rahmen der OnlineAkademie tragen die Autorinnen und Autoren. Die geäußerten Meinungen müssen nicht in jedem Fall der Meinung der Friedrich-Ebert-Stiftung entsprechen. 2 Übersetzt:„Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Personen jagen für 90 Minuten hinter dem Ball her und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ 3 Übersetzt:„Fußball repräsentiert eine Lebensweise, eine Kultur“.
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Von Mercedes und Monarchie : Deutsch-Englische Nationalstereotypen im Spiegel der Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft 1990
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