PERSPEKTIVE Sozialdemokratische Europawahlprogramme im Vergleich Kurzfassung JULIA WÜRTZ September 2011 1. Einleitung Ausgangspunkt für die Untersuchung der sozialdemokratischen Europawahlprogramme aus dem Jahr 2009 ist die aktuelle Diskussion über ein Grundsatzpapier der Sozialdemokratischen Partei Europas(SPE). Ihren Anfang nahm die Debatte nach der deutlichen Niederlage der europäischen Sozialdemokratie bei den Europawahlen im Juni 2009, in denen besonders sozialdemokratische Traditionsländer wie Deutschland, die Niederlande, Schweden und Großbritannien herbe Verluste hinnehmen mussten. Die sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament(EP) schrumpfte von 215 auf 184 Mitglieder. Den Wahlkampf hatten die sozialdemokratischen Parteien in den jeweiligen Mitgliedstaaten zu weiten Teilen traditionell national ausgerichtet. Obwohl die SPE ein Manifest zu den Europawahlen verabschiedet hatte, waren die Parteien mit jeweils eigenen und voneinander größtenteils unabhängigen Wahlprogrammen angetreten. Von einem grenzübergreifenden Wahlkampf war nicht viel zu bemerken. Der SPE-Kongress in Prag im Dezember 2009 reagierte auf die Niederlage bei der Europawahl mit einer Resolution zur Schaffung einer Vision für die fortschrittliche Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Um eine grundlegende Erneuerung der Politik zu erreichen, wurde ein Reflexionsprozess eingeleitet, an dem die Mitgliedsparteien, ihre Parteiführungen, die Fraktion im Europäischen Parlament sowie die SPE-Aktivisten beteiligt sind. Am Ende dieses Prozesses soll 2013 ein gemeinsames Grundsatzprogramm beschlossen werden. Nach zwei Jahren hat dieses ambitionierte Ziel nun Halbzeit. Bis heute findet die Diskussion eher im Hintergrund statt und dringt kaum an die parteipolitische Öffentlichkeit. Selbst auf dem letzten SPE-Rat im Dezember 2010 in Warschau spielte sie eine eher untergeordnete Rolle. Angesichts der großen und grenzüberschreitenden Herausforderungen, vor denen Europa im Moment steht, ist ein gemeinsames Vorgehen für die europäische Sozialdemokratie notwendiger denn je. Nur vereint kann sie ihrem Gestaltungsanspruch gerecht werden. Ziel dieser Analyse 1 ist es daher, einen Beitrag zur dargestellten Debatte zu liefern. Sie vergleicht die Wahlprogramme sozialdemokratischer Parteien aus acht Ländern, die im Hinblick auf die Größe, die grundsätzliche Haltung gegenüber Europa, den Zeitpunkt des Beitritts zur EU und die Rolle der nationalen Partei(Regierung oder Opposition) als repräsentativ gelten können. Analysiert werden die Programme der Bălgarska Socialističeska Partija(Bulgarische Sozialistische Partei, BSP), der irischen Labour Party(Labour IE), der britischen Labour Party(Labour UK), der Lëtzebuerger Sozialistesch Arbechterpartei(Luxemburger Sozialistische Arbeiterpartei, LSAP), der französischen Parti socialiste(PS), der Suomen Sosialidemokraattinen Puolue(Sozialdemokratische Partei Finnlands, SDP), der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands(SPD) und der Sozialdemokratischen Partei Österreichs(SPÖ). Anhand der Positionen und Forderungen, die die Parteien in Bezug auf fünf verschiedene Politikfelder – Soziales Europa; Wirtschaft und Finanzen; Umwelt, Landwirtschaft und Energie; Bürgerrechte und Migration; EU in der Welt – formulieren, kann Verbindendes und Trennendes identifiziert werden. 1. Die detaillierte Langfassung der Analyse ist unter http://library.fes.de/ pdf-files/id/ipa/08258.pdf abrufbar.
Druckschrift
Sozialdemokratische Europawahlprogramme im Vergleich : Kurzfassung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten