FEShistory Impuls # 2 Die Grenzen des Sagbaren Populist:innen brauchen Lautstärke und Reichweite, um sich zu positionieren und in Demokratien Macht zu gewinnen. Um Stimmungen und Unzufriedenheiten zum eigenen politischen Nutzen zu erzeugen, braucht es aber auch ein feines Gespür für die Ausweitung der Debattenräume. In der Bundesrepublik helfen dieser Tage Geschichte und Geschichtspolitik, um die Grenzen des Sagbaren zu verschieben: Historische Vergleiche, Forderungen und Anspielungen sind geeignet, Tabus zu brechen. Björn Höckes Rede vom Januar 2017 ist wegen seiner Bezeichnung des Denkmals für die Ermordung der europäischen Juden als„ein Denkmal der Schande“ und seiner Forderung nach einer„erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ weithin im Gedächtnis geblieben. Höcke war damals schon ein prominenter AfD-Vertreter, hatte aber noch nicht das politische Gewicht, das ihm der Tabubruch von Dresden bescherte. Medien von links bis rechts, Historiker:innen, die politische Konkurrenz: Alle schenkten Höcke die Aufmerksamkeit, die nur der Populismus so erzeugen kann. Eine Äußerung, die so deutlich über die Grenzen geht, dass sie nicht unwidersprochen bleiben kann und darf – deren Widerspruch sie aber erst erfolgreich macht. Weniger bekannt als Höckes Rede ist die seines Vorredners, Jens Maier, damals Richter am Landgericht Dresden. Maier hatte ganz offenbar die Aufgabe, die Stimmung im Saal zu testen und vorzubereiten. So fragte er das Publikum unter anderem:„Im Jahr 1945 sah es in vielen Städten Afrikas besser aus als damals in Deutschland, aber was machen die aus ihren
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