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Ukrainische Flüchtlinge in Bulgarien : gefangen in der Falle fehlender Integration
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FES BRIEFING UKRAINISCHE FLÜCHTLINGE IN BULGARIEN Gefangen in der Falle fehlender Integration Maria Tscherescheva April 2022 Zwei Monate nach Beginn der russischen Militärinvasion in der Ukraine kennt Adelina Banakieva, eine Freiwillige aus Sofia, nicht die genaue Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine, für deren Unterkunft und Unterstützung sie ge­sorgt hat.Derzeit sind es 26 Personen nur die Erwachse­nen, ohne die Kinder mitzuzählen. Und daneben ich weiß nicht wie viele Katzen und Hunde, erzählt sie. Seit Jahren arbeitet sie daran, Kinder mit Behinderungen in Bulgarien und ihre Mütter zu unterstützen, weshalb sie unter den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine auch mit einigen der schlimmsten Fälle konfrontiert ist- Kinder mit Zerebralparese, mit Epilepsie. Adelina schickt sie ins Aus­land, weil es in Bulgarien weder Mechanismen gibt, um eine angemessene Behandlung für sie zu gewährleisten, noch Möglichkeiten für ihre Eltern, einen Job aufzuneh­men. Und sie tut es allein, ohne die Hilfe der Institutionen. Sie wird jedoch von Spendern, Freiwilligen und Medien unterstützt.Ich habe das Gefühl, auf einer Autobahn zu fahren und keine Zeit zu haben, auf mein Navi zu schau­en, und ich weiß nicht, wohin ich fahre. So sind wir im Moment alle Freiwillige, kommentiert Adelina. In Bulgarien nämlich, wie auch in vielen anderen Ländern, waren es ausgerechnet die Freiwilligen und die zivilge­sellschaftlichen Organisationen, die als erste den bei­spiellosen Zustrom von Geflüchteten empfingen, der durch den Krieg in der Ukraine verursacht wurde. Blitz­schnell organisierten sich die bulgarischen Bürger und Bürgerinnen, öffneten ihre Häuser für die Ukrainerinnen und Ukrainer und begannen, sie sowohl von den Landes­grenzen als auch aus den ukrainischen Grenzgebieten zu transportieren. Mit Hilfe von Unternehmen und des Nichtregierungssektors übernahmen sie die Bereitstel­lung von humanitärer und psychologischer Unterstüt­zung, Kinderbetreuung, Kultur- und Unterhaltungsaktivi­täten, um ein bisschen Normalität in den neuen Alltag der vorübergehenden Asylsuchender in unserem Land zu bringen. Und wenn auch dies in den ersten Tagen der Krise angesichts der größeren Flexibilität und Anpas­sungsfähigkeit des zivilgesellschaftichen Sektors als ganz normal angesehen werden konnte, so merkt man im zweiten Monat seit Beginn der militärischen Aktivitäten unter den Freiwilligen Müdigkeit und Unzufriedenheit mit der schwerfälligen Reaktion der Institutionen. WIR STEHEN VOR EINER HUMANITÄREN KATASTROPHE Nach Angaben des Ministerrats, die auf dem offiziellen Regierungsportal zur Unterstützung ukrainischer Flücht­linge veröffentlicht wurden, hatten bis zum 18. April fast 195.000 ukrainische Bürger und Bürgerinnen die Landes­grenzen überschritten, und etwas mehr als 91.000, dar­unter 35.000 Kinder, entschieden sich zu bleiben. Die ver­öffentlichten Daten zeigen auch, dass im Rahmen des Programms für den Einsatz humanitärer Hilfe für Vertrie­bene aus der Ukraine, das Mitte März in Kraft getreten ist, mehr als 50.000 ukrainische Staatsbürger und-Bürgerin­nen in Hotels oder staatlichen und lokalen Regierungsge­bäuden untergebracht sind. Somit wurde über ein Drittel des Flüchtlingsstroms aus der Ukraine von der bulgari­schen Zivilgesellschaft und Privatpersonen übernommen. Das Programm gilt bis Ende Mai. Derzeit plant die Regie­rung keine Verlängerung. Das Programm stellt den Un­terbringungseinrichtungen 40 BGN 1 pro Tag und Flücht­ling für Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung. Es wurde von Anfang an kritisiert, weil es nur Unternehmen und staatliches Eigentum als Empfänger finanzieller Un­terstützung legitimiert, und das auf Kosten von den Frei­willigen, die die Bedürfnisse von Geflüchteten aus ihrem eigenen Budget decken, und andererseits weil das Pro­gramm nicht nachhaltig ist im Hinblick auf die nahende touristische Sommersaison. Die meisten Ukrainerinnen und Ukrainer sind aufgrund der vielen Betten in Hotels an der Schwarzmeerküste unterge­1. Oder ca. 20 EUR. 1