Katharina Mader/Sophie Achleitner Feministische Finanzpolitik – auch in Krisenzeiten ein blinder Fleck Auf einen Blick An der Umsetzung tatsächlicher Gleichstellung der Geschlechter scheitern viele Länder gewaltig. Trotz etablierter Policy-Instrumente, gesetzlicher Verpflichtungen und finanzieller Ressourcen bleiben die Wirkungen von Wirtschafts-, Finanz-, aber vor allem Budgetpolitik auf die Geschlechter vielerorts immer noch ein blinder Fleck. Das gilt besonders in Zeiten multipler Krisen. Dieser Beitrag widmet sich den Folgen fehlender feministischer öffentlicher Haushaltsplanung und betrachtet die Erfahrungen aus Österreich. Problemaufriss Öffentliche Haushalts- bzw. Budgetplanung ist nichts anderes als in Zahlen gegossene Politik. Finanzielle Mittel und Ressourcen werden politischen Vorhaben und Maßnahmen zugeschrieben, damit diese umgesetzt werden können. Wie diese Gelder verteilt werden, wem sie am Ende zugutekommen und wem nicht, wird in Budgetdebatten nur sporadisch thematisiert. Das liegt daran, dass Diskussionen rund um makroökonomische Fragestellungen, Staatsausgaben, Wachstum, Steuer- oder Finanzpolitik in den meisten Fällen auf höchst technischer und fachspezifischer Ebene geführt werden und dabei vor allem eines sind: geschlechterblind. Dabei gilt die Gleichstellung der Geschlechter als eines der großen Ziele, denen sich die Politik gern verschreibt. Etwa mit den Sustainable Development Goals(SDGs) der Vereinten Nationen(UN 2023: 20) und den EU-Zielen im Rahmenprogramm NextGenerationEU(EU 2023) wird ein ausgeprägtes Bewusstsein für bestehende Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen ausgedrückt und der Wille, diese zu beseitigen, als leitender Gedanke von zukunftsfähiger Wirtschaftspolitik anerkannt. Die nötigen Policy-Instrumente, um diese Gleichstellungsziele und damit die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen, sind bereits vielschichtig vorhanden – dazu zählen die Ansätze der feministischen Ökonomie, die den wechselseitigen Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen und Ökonomie aufzeigen, sowie Instrumentarien wie Gender-Mainstreaming und Gender-Budgeting, die genderspezifische Implikationen in den Budgetprozess der öffentlichen Hand sowie in Wirtschafts- und Finanzpolitik integrieren und das Thema damit ins Zentrum der staatlichen Prioritätensetzung rücken. Der Frage, warum vor diesem Hintergrund feministische Wirtschafts-, Finanz-, aber vor allem Budgetpolitik vielerorts besonders in Zeiten multipler Krisen immer noch ein blinder Fleck ist, wie es dazu kommen konnte und was die Folgen davon sind, gehen wir in diesem Beitrag nach. Gender-Mainstreaming und Gender-Budgeting Gender-Mainstreaming hat sich international als Strategie zur Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter etabliert (EIGE 2023b: 1). Es setzt die Einbeziehung der Geschlechter-
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Feministische Finanzpolitik : auch in Krisenzeiten ein blinder Fleck
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