Druckschrift 
Mehr Umverteilung wagen : politische Einstellungen zu Finanzpolitik, Steuern und Gerechtigkeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

POLITISCHE EINSTELLUNGEN ZU FINANZPOLITIK, STEUERN UND GERECHTIGKEIT 5 Viele Befragte blicken mit Ungewissheit in die Zukunft. Sie sehen zentrale gesellschaftliche Versprechen nicht mehr eingehalten: das Versprechen auf eine bessere Zukunft für die nachfolgen­den Generationen, das Problemlösungsversprechen der Politik und das Versprechen, es würde gerecht in der Gesellschaft zuge­hen. Einzig und allein das Leistungsversprechen wer hart genug arbeitet, erreicht auch etwas im Leben hält sich zumin­dest noch bei einer Mehrheit der Bevölkerung. Das Festhalten an diesem Mythos lässt sich rational durch die Polykrise erklä­ren. Der permanente Dauerkrisenmodus verstärkt den Zweifel am gesellschaftlichen Zusammenhalt, führt zu einer reaktiven, wenig vorausschauenden Politik und nagt am Zukunftsoptimis­mus. Das führt dazu, dass sich viele auf sich selbst und ihre eigene Leistungsfähigkeit zurückziehen. Nimmt Politik den aus dieser Studie abgeleiteten Auftrag an, soziale Ungleichheit durch Umverteilung zu bekämpfen, ist dies kein Selbstläufer. Denn auch wenn die grundsätzliche Befür­wortung von Umverteilungsmaßnahmen in der Gesellschaft stark ausgeprägt ist, so besteht die Gefahr bei der konkreten Ausgestaltung der Instrumente, Bevölkerungsgruppen zu ver­lieren, da es ihnen an Wissen fehlt und sie sich aus einem Gefühl der Überforderung aus diesen politischen Debatten heraushal­ten. Damit gesellschaftliche Akzeptanz auch auf dieser konkre­ten Ebene entstehen kann, spielt eine klare Kommunikation, die den Nutzen der Instrumente in den Mittelpunkt stellt, eine zen­trale Rolle. Studiendesign und Methode: Fokusgruppendiskussionen Die Ergebnisse dieser Studie basieren auf einem mehrstufigen Forschungsprozess, bestehend aus qualitativen und quantitati­ven Methoden. In einem ersten Schritt wurden zur Exploration sechs qualitative Fokusgruppen mit unterschiedlichen Zielgrup­pen und unterschiedlicher Zusammensetzung durchgeführt. Daran anschließend und darauf aufbauend erfolgte in einem zweiten Schritt zur Validierung und Quantifizierung eine bun­desweite repräsentative quantitative Befragung. Vorherige Studien und Projekte ließen vermuten, dass bei den Bürger_innen wenn überhaupt nur sehr geringes Wissen zu Staatsfinanzen und Steuern besteht. Umso wichtiger war es, den Wissensstand der Bevölkerung sowie die verwendeten Sprach­bilder und Argumente zunächst qualitativ zu ergründen und für die Erstellung des quantitativen Fragebogens zu berücksichtigen. Fokusgruppen stellten dafür mit ihrem explorativen Ansatz die optimale Vorarbeit dar. Die Forschenden erhielten ein tieferes Verständnis dafür, welche Kenntnisse und Einstellungen, aber auch welche Tonalität oder welche Begrifflichkeit innerhalb der Bevölkerung zu dem Thema vorausgesetzt und erwartet wer­den können. So konnten nicht nur erste qualitative Erkenntnisse generiert, sondern auch sichergestellt werden, dass der Frage­bogen der quantitativen Stufe verständlich formuliert und die repräsentativen Ergebnisse anschließend sinnvoll analysiert wer­den konnten. Qualitativ: Onlinefokusgruppen Quantitativ: repräsentative Befragung homogene Zusammensetzung zwei Gruppen mit Menschen mit eher großer Erbschaft, zwei Gruppen mit Menschen ohne oder eher geringer Erbschaft heterogene Zusammensetzung zwei Fokusgruppen mit gemischter Zusammensetzung bevölkerungsrepräsentative Hybrid-Befragung von Wahlberechtigten aus ganz Deutschland 8. 9. November 2022 15. November 2022 Abbildung 1: Studiendesign; Quelle: eigene Darstellung. 7. 19. Januar 2023