Druckschrift 
Unterschätzte Aspekte einer modernen Polizei : Vorschläge zur Zukunft der polizeilichen Ausbildung, Bürger_innennähe und Wissenschaftkooperation
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Tobias Neidel, Simon Herold-Steinhof, Julia Kneisel, Carolin Lambotte, Martin Meisen Unterschätzte Aspekte einer modernen Polizei Vorschläge zur Zukunft der polizeilichen Ausbildung, Bürger_innennähe und Wissenschaftskooperation AUF EINEN BLICK Die Polizei, als Trägerin des staatlichen Gewalt­monopols, steht im Fokus besonderer gesellschaft­licher Aufmerksamkeit, wenn es um Debatten über eine moderne und bürger_innenfreundliche Sicherheitspolitik geht. Die Forderungen nach einer effizienten Gefahren­abwehr und Strafverfolgung sowie nach einer am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit orientierten Polizeiarbeit, die für alle Menschen gleichermaßen Sicherheit gewährleistet, stellen keine sich aus­schließenden Positionen dar, sondern müssen zu­sammen gedacht werden. In drei Bereichen, die in der bisherigen Diskussion häufig unterschätzt werden, identifiziert dieses Impulspapier besonderes Potenzial:(1) die polizei­liche Aus- und Fortbildung,(2) die Zusammenar­beit und Schnittstellen zwischen Polizei und Zivil­gesellschaft sowie(3) das Verhältnis zwischen Polizeiforschung und-praxis. Kaum eine staatliche Institution ist in unserer Gesellschaft so präsent wie die Polizei. Für viele Menschen repräsentiert sie nicht nur die geltenden Regeln und Gesetze, sie steht ebenso für deren Durchsetzung. Die Polizei wird deshalb wie keine andere Organisation von Öffentlichkeit, Medien und Wissen­schaft bei ihrer Arbeit beobachtet und kontrovers diskutiert. Fest steht dabei, dass sie einen der Grundpfeiler unserer frei­en und demokratischen Gesellschaft bildet. Um diesem An­spruch aber gerecht werden zu können, muss die Polizei mit der Zeit gehen, sich aktuellen Entwicklungen stellen, sich an­passen und weiterentwickeln, wenn Defizite zutage treten. Der vorliegende Text will hierfür Vorschläge unterbreiten und versteht sich zugleich als ein Beitrag zur Diskussion darüber, welche Perspektiven es für eine moderne Polizei gibt, die den Anforderungen ihrer Zeit gerecht wird. Die hier entwickelten Ansätze lassen sich dabei weder von einer unkritischen Perspektive leiten, welche irrigerweise Kri­tik an der Polizei mit deren prinzipiellen Ablehnung gleich­setzt. Noch sehen sie in der Polizei als solche eine problemati­sche Institution, die sich primär durch Rassismus, Gewalt oder Formen des Machtmissbrauchs auszeichnen würde. Viel­mehr ist die Polizei für ein funktionierendes Gemeinwesen notwendig, weil die Gewährleistung von Sicherheit untrenn­bar mit dem Bestehen von Freiheit verbunden ist. 1 Unser Leitbild muss daher sein, dass jede Person unabhängig von Herkunft, Status oder sozioökonomischer Situation und unter Ausschluss jedweder Hürden jederzeit Schutz und Hilfe bean­spruchen kann. Gleichzeitig steht für uns fest, dass diejenigen Personen und Gruppen, die Gewalt ausüben, das Gemein­wesen angreifen, Straftaten begehen und Menschen oder ge­schützte Güter bedrohen, ein konsequentes Eingreifen von Sicherheitsbehörden und Justiz erfahren müssen. Eine effekti­ve Gefahrenabwehr und ein entschiedenes polizeiliches Ein­schreiten dürfen dabei aber nicht im unvereinbaren Gegen­satz zu einer am Verhältnismäßigkeitsgrundsatz orientierten Polizeiarbeit stehen. Beides kann und muss miteinander ver­eint werden. Die Themenfelder, die zur Umsetzung dieses Ziels adres­siert werden können, sind vielfältig und es gibt zahlreiche As­pekte, die in ihrer Bedeutung für diesen Prozess unterschätzt werden. Im Folgenden werden drei Bereiche vorgestellt, die nach Ansicht der Autor_innen besonders vielversprechend für die Weiterentwicklung der Polizei im Sinne eines modernen und demokratischen Rechtsstaates sind. Im ersten Kapitel werden dafür zunächst Vorschläge für die Zukunft der polizei­lichen Aus- und Fortbildung entwickelt, die neben obligatori­schen Fortbildungswochen auch die Einführung von lauf­bahn- und fachübergreifenden Personalentwicklungskonzep­ten vorsehen. Anschließend werden im zweiten Kapitel Mög­lichkeiten für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Polizei und Zivilgesellschaft vorgestellt, die u. a. den verstärkten Ein­Unterschätzte Aspekte einer modernen Polizei FES impuls 1