PERSPEKTIVE| FES STOCKHOLM Grundeinkommen Das finnische Experiment VON CHRISTIAN KRELL UND CLEMENS BOMSDORF April 2017 Die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen ist zurück in der politischen Debatte – wieder mal. Sie wird unterstützt von erstaunlich vielfältigen Akteuren mit unterschiedlichen Hintergründen. Das Grundeinkommen scheint eine Projektionsfläche für alle möglichen, teils gegensätzlichen, politischen Ideen und Überzeugungen zu sein. In der Debatte um das Grundeinkommen müssen unterschiedliche Modelle unterschieden werden. Es gibt ein neoliberales Modell, welches vor allem auf die Kürzung sozialstaatlicher Leistungen und bürokratische Verschlankung abzielt, ein humanistisch-emanzipatorisches Modell, welches ein selbstbestimmtes Leben jenseits des Zwangs zur Erwerbsarbeit ermöglichen soll und schließlich ein sozial-egalitäres Modell, bei dem die Umverteilung des gesellschaftlichen Wohlstands im Vordergrund steht. Die rechts-konservative finnische Regierung hat 2017 ein Experiment gestartet, um die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens zu erproben. In diesem Modellversuch erhalten 2.000 Personen im Alter zwischen 25 und 58 Jahren ein monatliches Grundeinkommen von 560 Euro. Allerdings galten für die Zielgruppe aus der die Testpersonen ausgewählt wurden, entscheidende Einschränkungen. Sie mussten im November des Vorjahres eine Form von Arbeitslosenunterstützung empfangen haben und zwischen 25 und 58 Jahre alt sein. Das finnische Experiment entspricht eher dem neoliberalen Modell eines Grundeinkommens. Es geht um eine Verschlankung der Sozialverwaltung und stärkere Anreize zur Aufnahme von Arbeit. Die Selbstverwirklichung jenseits eines Zwangs zur Arbeit steht ebenso wenig im Vordergrund wie gesellschaftliche Umverteilung.
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