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Wie steht es um unsere Gesellschaft nach einem Jahr Pandemie?
Entstehung
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DEMOKRATIE IM AUSNAHMEZUSTAND Wie steht es um unsere Gesellschaft nach einem Jahr Pandemie? Frank Vogelsang Seit über einem Jahr grassiert die Pandemie des Virus SARS-CoV-2 in der Welt, in Europa und in Deutschland. Im Mai letzten Jahres hat die Friedrich Ebert Stiftung die TextreiheDemokratie im Ausnahmezustand aufgelegt. In dieser Zeit gab es eine gewisse Hoffnung, dass dem ersten bundesweiten Lockdown eine Phase der sukzessiven Öffnung und eine Rückkehr in dasalte Leben folgen könnten. Deutschland stand im internationalen Vergleich gut da. Doch dann folgte ein Jahr der Hoffnungen und Rückschläge, ein sehr langes Jahr. Der zweiten Welle folgte bald eine dritte. In der Gesellschaft zeichnen sich durch den andauernden Ausnahmezustand Risse und soziale Verwerfungen ab. In der Gesellschaft zeichnen sich durch den andauernden Ausnahmezustand an vielen Stellen Risse ab. Auf der einen Seite sind einige Bereiche der Wirtschaft bislang erstaunlich gut durch die Krise gekommen, vor allem die Industrie. Auf der anderen Seite stehen der Dienstleistungsbereich, große Teile des Einzelhandels, der Tourismus, die Gastronomie, das Hotelgewerbe. Hier sind die Einschnitte gravierend, ohne staatliche Hilfe wären viele Betriebe nun im Konkurs. Die Arbeitslosigkeit stieg an, die Auswirkungen werden sich hier aber erst dann richtig zeigen, wenn das Insolvenzrecht wieder greift und die Zahlen der Kurzarbeiter_innen zurückgehen. Weitere Verwerfungen entstehen indirekt durch die Hilfen, durch die expansive Politik und die sehr weitreichenden Maßnahmen der Notenbanken: Die Aktienmärkte erreichen Rekordhöhen, ebenso die Immobilienpreise. Menschen ohne großes Vermögen, also die weitaus meisten, können davon nicht profitieren. Hierdurch nimmt die soziale Ungleichheit zu. Eine Vermögenssteuer ist eine dringend notwendige Korrektur. Die Ausbreitung der Virus-Infektionen und die Maßnahmen ihrer Bekämpfung greifen in den Alltag der Menschen ein und führen zu weiteren sozialen Verwerfungen. Viele Menschen haben Angehörige verloren. Studien belegen, dass Menschen in ärmeren Vierteln signifikant häufiger erkranken. Die Möglichkeit zum Homeoffice ist sehr ungleich verteilt. Gravierende Folgen werden sich auf längere Sicht durch den massiv gestörten Schulunterricht ergeben. Kindern aus bildungsfernen Schichten leiden besonders unter den Ausfällen und Improvisationen. Die psychische Belastung ist in engen Stadtwohnungen viel größer als bei Bewohner_innen von Eigenheimen. Viele Existenzen im Bereich der Kultur stehen durch den Dauerlockdown auf dem Spiel, allein schon, weil die Aufführungspraxis seit einem Jahr ausgesetzt ist. Für das gesellschaftliche Selbstverständnis und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist die Kultur von unschätzbarer Bedeutung. Eine tragende Rolle spielen ebenso Formen sozialer Verbundenheit wie politische Parteien, religiöse Gemeinschaften, die Kirchen und Vereine. Aber auch hier waren die Aktivitäten über lange Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau, viele soziale Formationen sind schwächer geworden. Seite 1