Christian Raffer, Henrik Scheller, Katja Rietzler, Carsten Kühl DIREKT 24/ 2021 BAUSTELLE ZUKUNFTSFÄHIGE INFRASTRUKTUR Ansätze zum Abbau nichtmonetärer Investitionshemmnisse bei öffentlichen Infrastrukturvorhaben AUF EINEN BLICK Die öffentliche Infrastruktur in Deutschland weist einen erheblichen Investitionsstau auf. 1 Dennoch bleiben kommunale Investitionen regelmäßig hinter den Planungen zurück. Die vorliegende Analyse liefert Belege für vier ursächliche Investitionshemmnisse. Wenn die aktuell vielfach geforderte Investitionsoffensive zum Erfolg werden soll, müssen dafür Lösungen gefunden werden. KAPAZITÄTSAUSLASTUNG IM BAUGEWERBE Bei der Analyse von Investitionshemmnissen ist in den vergangenen Jahren die Kapazitätsauslastung der Bauwirtschaft vermehrt in den Fokus gerückt. Laut dem KfW-Kommunalpanel 2020 rangierte sie nach finanziellen und personellen Restriktionen in den öffentlichen Bauverwaltungen auf Platz drei der kommunalen Investitionshindernisse. Die von den Kommunen wahrgenommenen Engpässe decken sich mit den Indikatoren zur Kapazitätsauslastung in der Bauwirtschaft. Sie war gemäß ifo-Geschäftsklimaumfrage von der Finanzkrise 2008/2009 bis ins Jahr 2018 im Trend deutlich aufwärtsgerichtet. In derselben Umfrage ist der Anteil der Bauunternehmen, die von Beeinträchtigungen ihrer Geschäftstätigkeit durch einen Arbeitskräftemangel berichteten, im Verlauf des Jahres 2017 drastisch angestiegen und verharrte bis zum Einsetzen der Corona-Pandemie auf diesem hohen Niveau. Dabei sind Unterschiede nach Regionen und Qualifikationsniveaus zu beachten: Während beispielsweise die Arbeitsmarktlage in Bayern laut Daten der Bundesagentur für Arbeit bei hoch qualifizierten Tiefbauingenieur_innen ab 2016 besonders stark angespannt war, hatte sie in NRW eher moderaten Charakter. Unterschiede bei der Personalausstattung in der Bauwirtschaft zeigen sich vor allem zwischen den ost- und den westdeutschen Flächenländern. Trotz erheblicher Rückgänge nach dem Vereinigungsboom der 1990er Jahre waren gemäß amtlicher Statistik auch unmittelbar vor der Corona-Krise in den ostdeutschen Bundesländern noch deutlich mehr Menschen in der Bauwirtschaft tätig. Diese Entwicklung ist weitgehend historisch begründet. Eine entscheidende Rolle spielt etwa die lange Krisenphase von 1995 bis 2006, in der die Baukapazitäten massiv abgebaut wurden. Zusätzlich destabilisierend wirkte aber auch die Bautätigkeit der öffentlichen Hand, die in den vergangenen drei Jahrzehnten überwiegend prozyklisch ausgerichtet war. In Phasen konjunktureller Unterauslastung waren die öffentlichen Bauinvestitionen regelmäßig rückläufig, während sie in Phasen der Hochkonjunktur anstiegen. Abgewichen wurde von diesem Muster mit dem Konjunkturpaket II in der Finanzkrise 2009. Trotz der zunehmenden Auslastung der Baukapazitäten konnten gemäß amtlicher Statistik vor allem die kommunalen Bauinvestitionen nach 2017 deutlich ausgeweitet werden. Auch die gesamtstaatlichen realen Bauinvestitionen verzeichneten seit 2015 positive Zuwachsraten. In Kombination damit dürfte die zunehmende Kapazitätsauslastung in den vergangenen Jahren maßgeblich zu den kräftigen Preissteigerungen in der Bauwirtschaft beigetragen haben. Mit 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal erreichte die Steigerungsrate (gemessen am impliziten Preisindex) im Bereich der Bauinvestitionen im dritten Quartal 2018 sein Maximum. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Auswertung der amtlichen Statistik bezüglich des Baugewerbes die Wahrnehmung vieler Kommunen bestätigt: Die Kapazitätsauslastung ist in den verschiedenen Baubereichen nach der Finanzkrise in mehreren Schüben gestiegen. Um das Jahr 2014 erreichte sie ein ähnliches Niveau wie im Wiedervereinigungsboom – allerdings bei deutlich verminderten Kapazitäten – und stieg in den Folgejahren parallel zu einem breiten Bauboom aller Bereiche weiter an. Entsprechend kam es bis >
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Baustelle zukunftsfähige Infrastruktur : Ansätze zum Abbau nichtmonetärer Investitionshemmnisse bei öffentlichen Infrastrukturvorhaben
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