FES impuls Daniel Hlava, Thomas Klebe Mindesthonorare für Soloselbstständige Politische Gestaltungsansätze und rechtliche Rahmenbedingungen AUF EINEN BLICK Die Situation Soloselbstständiger ist oftmals prekär. Geringe Nettoeinkommen und unzureichende soziale Absicherung stellen nicht nur eine individuelle Belastung, sondern auch eine Herausforderung für den Sozialstaat dar. Politik und Gewerkschaften haben daher unterschiedliche Vorschläge unterbreitet, um Mindesthonorare, Kollektivverträge von Soloselbstständigen und deren stärkere Einbeziehung in die Sozialversicherung zu ermöglichen. Der vorliegende Beitrag skizziert den Stand der Debatte, stellt einen Vorschlag zur Regelung von Mindesthonoraren für Soloselbstständige vor und bewertet die rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Arbeitsbedingungen von Selbstständigen rücken vermehrt in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Mediale Aufmerksamkeit erhalten hier oft einzelne Gruppen wie Fahrradkurier_innen und Werkvertragsarbeiter_innen in der Fleischindustrie. Selbstständige profitieren ganz überwiegend nicht von den Errungenschaften des Arbeitsrechts, obwohl einige unter ihnen – insbesondere diejenigen ohne eigene Beschäftigte(sogenannte Soloselbstständige) – oftmals ähnlich schutzbedürftig sind wie Arbeitnehmer_innen. Die fehlende Absicherung von Selbstständigen im Vergleich zu Arbeitnehmer_innen, die u. a. Anspruch auf Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld haben, führte nicht zuletzt die Corona-Krise vor Augen. Vielerorts wird daher auch für(Solo-)Selbstständige ein besserer Schutz gefordert(siehe jüngst Schulze Buschoff et al. 2021: 18–26). Ein Aspekt hierbei ist die Sicherung eines (einigermaßen) auskömmlichen Einkommens. Während für Arbeitnehmer_innen seit 2015 das Mindestlohngesetz eine gesetzliche Lohnuntergrenze zieht und daneben über Tarifverträge weitergehende Entgeltlösungen gefunden werden, fehlt es für Selbstständige größtenteils an vergleichbaren Regelungen. Nachfolgend wird ein Einblick gegeben, wie sich die Situation von Selbstständigen empirisch darstellt, welche Reformvorschläge aktuell zur Diskussion stehen und in welchen verfassungs- und europarechtlichen Rahmen diese eingebettet sind. DIE LAGE VON SOLOSELBSTSTÄNDIGEN: EIN BLICK IN DIE ZAHLEN Erwerbsformen und-biografien werden immer vielfältiger. Es ist keine Seltenheit, dass sich abhängige Beschäftigung in einem Arbeitsverhältnis und selbstständige Tätigkeit in bunter Folge abwechseln. Die Grenzen zwischen Dienst-/Werkvertrag und Arbeitsvertrag werden gerade auch in Zeiten der Digitalisierung fließender, wie nicht zuletzt die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts(BAG) vom 1.12.2020 zur Arbeitnehmereigenschaft eines Crowdworkers zeigt(Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht 2021: 552ff.). Im Folgenden geht es allerdings nur um Beschäftigte, die tatsächlich selbstständig sind, die somit den Schutz des Arbeits- und Sozialrechts nur rudimentär in Anspruch nehmen können. In Deutschland waren dies in 2018 insgesamt 4,01 Millionen Menschen, 2,23 Millionen davon ohne Beschäftigte, also sogenannte Soloselbstständige. Deren Anteil entsprach 5,3 Prozent der Gesamterwerbstätigen (Bonin et al. 2020: 9, 11). Diese Quote ist in 2019 auf 4,6 Prozent gefallen(Statistisches Bundesamt o. J.). Im Vergleich zu anderen Ländern ist sie in Deutschland eher niedrig. Im Vereinigten Königreich liegt sie z. B. bei 15 Prozent, in den Niederlanden bei 16 Prozent und in Italien bei 22 Prozent. In der EU beträgt der Durchschnitt 12,5 Prozent(Statistisches Bundesamt 2021; Wirtschaftskammer Österreich 2020). Die Zahlen machen das Gewicht des Bereichs deutlich. Berufsbilder, Qualifikation und Erwerbsmöglichkeiten der Soloselbstständigen sind sehr ausdifferenziert. Es gibt Spezialist_innen, die hohe Einkommen haben, wie erfolgreiche Schriftsteller_innen oder IT-Expert_innen. Es gibt aber auch eine Vielzahl, die sehr schlechte und unsichere Erwerbsmöglichkeiten hat. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von SoloselbstMindesthonorare für Soloselbstständige— FES impuls 1
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Mindesthonorare für Soloselbstständige : politische Gestaltungsansätze und rechtliche Rahmenbedingungen
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