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Europäische Souveränität: Fokus Italien
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Fokus Italien Europäische Souveränität IPSOS-Studie für die Jean-Jaurès-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung Die Erhebung wurde von Ipsos im Auftrag der Jean-Jau­rès-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung durchge­führt. Zwischen dem 28. Dezember 2020 und dem 8. Ja­nuar 2021 wurden 8.000 Personen online über das Ipsos Access Panel befragt, die 8 Stichproben von je 1.000 re­präsentativ ausgewählten Personen ab 18 Jahren aus Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Lettland, Po­len, Rumänien und Schweden abbilden. Die Stichproben wurden nach dem Quotenverfahren gebildet(Ge­schlecht, Alter, Beruf, Gemeindegröße, Region). Diese Zusammenfassung stellt die Ergebnisse der Umfrage für Italien vor. DER BEGRIFF SOUVERÄNITÄT IST IN ITALIEN NEGATIV KONNOTIERT Von den acht untersuchten Ländern ist Italien das Land, in dem der Begriff Souveränität am negativsten bewertet wird. Mehr als jede*r dritte Italiener*in(35 %) insbesondere die unter 35-Jährigen und die politisch der Linken nahestehenden Befragten stehen dem Begriff negativ gegenüber. 21 % ha­ben ein positives Bild und 38 %»weder ein positives noch ein negatives«. Gleichzeitig hält nur in Italien eine absolute Mehr­heit der Befragten den Begriff für»veraltet«(53 %), während nur knapp 10 % ihn für»modern« halten und 31 % weder für das eine noch das andere. Das ist weit vom europäischen Durchschnitt entfernt(32 % halten den Begriff für»veraltet«, 20 % für»modern« und 40 % für weder noch) und noch wei­ter entfernt von den Einschätzungen in Deutschland, wo nur 9 % der Befragten den Begriff für»veraltet« halten, also 44 Prozentpunkte weniger als in Italien. Ein erster Hinweis zur Erklärung liegt darin, dass die Italie­ner*innen dem Begriff eher eine politische Färbung zuschrei­ben. Mehr als jede*r dritte Italiener*in(35 %) betrachtet Souveränität als ein konservatives Konzept, bei den Deut­schen tun dies nur 5 %. Allerdings betrachten weder Italie­ner*innen noch Deutsche Souveränität als ein linkes Konzept (nur 6 % der Italiener*innen und 3 % der Deutschen sind die­ser Meinung). Alle übrigen sehen sie»weder als links noch als rechts« an, 48 % in Italien und 77 % in Deutschland. Die in Italien stärkere»Politisierung« des Begriffs Souveränität führt dazu, dass die Antworten stärker auseinanderfallen. Auch ist leichter zu verstehen, dass die der Linken naheste­henden Italiener*innen dem Konzept gegenüber negativer eingestellt sind ein Phänomen, das auch in Frankreich zu beobachten ist. Der zweite Hinweis ergibt sich aus der Frage, welche Wörter aus einer Liste, von denen zwei ausgewählt werden sollen, die Befragten mit dem Begriff Souveränität assoziieren. Bei den Italiener*innen stehen die Wörter»Nationalismus«(58 % der Nennungen),»Macht«(46 %) und»Protektionismus«(26 %) ganz oben, während die Deutschen»Unabhängigkeit«(63 %), »Selbstbestimmung«(53 %) und»Freiheit«(35 %) auswählen. Wenn von Souveränität die Rede ist, wird in diesen beiden Ländern offenkundig nicht von der gleichen Sache gespro­chen.