NETZWERK WISSENSCHAFT Doris Weßels Digitale Disruption und Künstliche Intelligenz – Hochschulen im Dornröschenschlaf? E-PAPER DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Die Erstellung von Texten durch Künstliche Intelligenz macht massive Fortschritte und stellt Hochschulen und Wissenschaft vor enorme Herausforderungen: Dies betrifft die Urheberschaft wissenschaftlicher Texte, die Qualitätssicherung und die Schreibkompetenz als akademische Basisdisziplin für kritisches Denken. Neben der BlockchainTechnologie als Lösungsbaustein sollte die Förderung von Schreibkompetenz neu aufgestellt werden. „Störende“ Einflüsse durch KI-generierte Texte werden im Bildungsbereich aber auch dann nur sehr bedingt ausgebremst werden können. Die Herausforderung besteht darin, diese Veränderungsprozesse mitzugestalten. Janine Funke und Elisabeth Heinemann haben es Ende Juli 2020 in einem ZEIT-Artikel auf den – streitbaren – Punkt gebracht: Die klassische Hochschullehre war schon vor Corona ein Auslaufmodell (Funke und Heinemann 2020). Das Virus wirkt nun wie ein Brennglas und macht das Problem sichtbarer. Dabei sollte hier besser der Plural gewählt werden, denn„das Problem“ besteht aus einer großen Fülle an Einzelproblemen. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft steht die digitale Anschlussfähigkeit im internationalen Wettbewerb auf dem Spiel. Sie mahnt eine größere Veränderungsbereitschaft und –geschwindigkeit im gesamten Bildungsbereich an. Während Unternehmen der Wirtschaft, derzeit sehr gut sichtbar im Handel, eine rasante Aufholjagd starten müssen, um die eigene Existenz zu sichern, wird – so der Vorwurf – im Bildungsbereich sehr viel diskutiert, aber zu wenig getan. Dabei ist gerade in Bezug auf die Hochschulen das Wissen in diesem System in herausragender Weise vorhanden. Genau dieses Wissen wird sogar intensiv gelehrt, denn wer hat in den Hochschulcurricula nicht an sehr vielen Stellen die„digitale Transformation“ gepaart mit„Künstlicher Intelligenz“ als elementaren Bestandteil seines zeitgemäßen Bildungsauftrags im Portfolio? Aber die Tragik besteht darin, dass die Lehre das nicht genügend auf die eigenen Systeme„Schule“ oder auch„Hochschule“ überträgt. Ist also die Glaubwürdigkeit der Lehrenden in diesen Systemen gefährdet? In diesem Beitrag soll aus dem oben skizzierten Problembündel nur eine Facette betrachtet werden, die das Auseinanderdriften der beiden Systeme„Wirtschaft“ und„Bildung“ in besonders extremer Form beleuchtet. Im ersten Schritt soll über den Ansatz des„Superstrukturalismus“ ein theoriebasiertes Modell für das spezifische Problemverständnis und zur Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen herangezogen werden.
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Digitale Disruption und Künstliche Intelligenz - Hochschulen im Dornröschenschlaf? : E-Paper der Friedrich-Ebert-Stiftung
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