Michael Holz DIREKT 15/ 2020 KMU-POLITIK AUSGEWÄHLTER EU-LÄNDER WÄHREND DER CORONA-PANDEMIE AUF EINEN BLICK Trotz Unterschieden in der konkreten Ausgestaltung haben die untersuchten EU-Länder zumeist ähnliche, kurzfristig angelegte(Finanzierungs-) Maßnahmen implementiert. Hauptziel war das Überbrücken von Liquiditäts- und Einkommensengpässen. Angesichts der Folgewirkungen der Corona-Pandemie gilt es für die KMU-Politik, eine angemessene Balance zwischen Bestandssicherheit und Offenheit für den Strukturwandel zu erreichen und dabei Effizienz- und Gerechtigkeitsaspekte abzuwägen. 1. EINLEITUNG Die Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in nahezu allen Ländern weltweit vor immense Herausforderungen. Nicht nur die internationalen Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch hochkomplexe Gesellschaftssysteme und letztlich die freiheitlich-demokratische Grundordnung basieren auf und erfordern ein gewisses Maß an Planungs- und Erwartungssicherheit sowie Vertrauen in die Stabilität der Ordnung. Die Corona-Krise hat jedoch die Fragilität der(wirtschaftlichen) Ordnung offengelegt und ein hohes Maß an Unsicherheit erzeugt. Handelnde Akteure in der Frühphase der Corona-Pandemie waren primär die Nationalstaaten. Kleine und mittlere Unternehmen(KMU) bzw. familiengeführte(Mittelstands-) Unternehmen haben in allen EU-Mitgliedstaaten eine zentrale volkswirtschaftliche Bedeutung und darüber hinaus oftmals auch eine wichtige gesellschaftspolitische(Stabilisierungs-)Funktion. Die Mitgliedstaaten haben daher häufig umfangreiche wirtschaftspolitische Maßnahmen ergriffen, um dieses zentrale Unternehmenssegment in der Corona-Krise zu unterstützen und zu stabilisieren. Bislang jedoch gibt es kaum vergleichende Bewertungen zu den Herausforderungen und Zielen der KMUPolitik in einzelnen EU-Ländern. Das Institut für Mittelstandsforschung(IfM) Bonn hat im April 2020 die Mitglieder seines internationalen IfM Research Fellow Networks um diesbezügliche Einschätzungen gebeten. Basierend auf den Rückmeldungen von neun Wissenschaftler_innen aus acht Ländern 1 zeigen wir im Folgenden schlaglichtartig die Betroffenheit von KMU sowie die Reaktionen der Wirtschaftspolitik auf und nehmen einen Ausblick auf die zukünftige Politikgestaltung vor. Auf gesundheitspolitische Maßnahmen wird nicht eingegangen. 2. STRUKTURELLE HERAUSFORDERUNGEN FÜR KMU BEI DER BEWÄLTIGUNG DER CORONA-KRISE Mittelständische Unternehmen unterscheiden sich in manchen – auch qualitativen – Eigenschaften von Großunternehmen. Diese machen den Umgang mit der Corona-Pandemie für KMU teilweise schwieriger. Sie bieten aber mitunter auch zusätzliche Chancen. Als problematisch können sich z. B. die bei KMU im Vergleich zu Großunternehmen typischerweise geringeren Ressourcen erweisen: Geringere finanzielle Reserven führen schneller zu Liquiditätsengpässen; geringere personelle Kapazitäten erschweren den Zugang und die Nutzung von wirtschaftspolitischen Unterstützungsmaßnahmen. Ein weiteres Charakteristikum vieler mittelständischer Unternehmen ist eine hohe Verbundenheit mit ihren Beschäftigten. Man versucht daher Personalabbau zu vermeiden und sieht sich tendenziell mit höheren (Personal-)Fixkosten konfrontiert. Des Weiteren bestehen die wesentlichen Wettbewerbsvorteile zumeist auf ihrer besonderen Kundennähe, Qualitäts- und Serviceorientierung. Gerade hier wirken sich der Shutdown und die gesundheitspolitischen Maßnahmen(Abstands- und Maskenpflicht) negativ aus. KMU sind im Vergleich zu Großunternehmen zudem im Rückstand bei der Diffusion digitaler Anwendungen und Geschäftsmodelle. Auch dies benachteiligt KMU, denn digitale Geschäftsmodelle und eine weitgehende Digitalisierung der Unternehmensprozesse eröffnen bei Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen wertvolle Umsatzpotenziale. >
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