Zick-Zack-Kurs Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Dänemark David Nicolas Hopmann D er öffentlich-rechtliche Rundfunk im Königreich Dänemark steht vor grundlegenden Umbrüchen. Der politische Druck auf den größten öffentlich-rechtlichen Anbieter – DR, Bezeichnung bis 1996: Danmarks Radio – erreichte 2018 einen neuen Höhepunkt, als die damalige rechts-konservative Regierung beschloss, dass DR 20 Prozent sparen muss. Diese Einsparungen sollen bis 2023 schrittweise umgesetzt werden. Das ist der größte finanzielle Einschnitt, den DR je erfahren hat, und der bereits zu massiven Kürzungen im Angebot geführt hat. So wurde zum Beispiel der Fernsehkanal DR K als eigenständiger Kanal eingestampft, die Fernsehsender DR3 und DR Ultra(letzteres ein Angebot für Jugendliche) aus den Fernsehnetzen genommen und jetzt nur noch als Streamingkanäle im Netz angeboten, und der DAB-Kanal P7 Mix wurde eingestellt. Mit dem drastischen finanziellen Einschnitt einhergehend wurde beschlossen, die sog. Medienlizenz, die dem Rundfunkbeitrag in Deutschland entspricht, über Zeit (bis 2021) auslaufen zu lassen und allen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Dänemark zukünftig über Steuereinnahmen zu finanzieren. Konkret wird das über eine geringere(als sonst fällige) Anhebung des Einkommenssteuerfreibetrags passieren. Damit werden die Mittel für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Teil der alljährlichen Haushaltsverhandlungen. Vordergründig wurden die Einschnitte vor allen Dingen damit begründet, dass DR den privaten Medienakteuren zu wenig Raum im Markt lasse. Dass viele konservative Politiker_innen DR wegen einer vermeintlichen linken Schlagseite seit Jahrzehnten kritisch sehen, dürfte die Stimmung bei den medienpolitischen Verhandlungen mitgeprägt haben. Dabei besteht kein Zweifel daran, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Dänemarks einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Aufklärung über aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse leistet. 1 Gerade durch die Mischung aus Informationsangeboten und Unterhaltung mit breiter Ausstrahlung schafft es der öffentlich-rechtliche Rundfunk, einen großen Teil der dänischen Gesellschaft zu erreichen. 2 Die technische Entwicklung und die mit ihr einhergehende Fragmentierung der Mediennutzung machen es aber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zunehmend schwerer, die gesamte Bevölkerung zu erreichen. ÖFFENTLICH-RECHTLICHE MEDIENLANDSCHAFT DÄNEMARKS Im Bereich des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gibt es in Dänemark drei Hauptakteure, wobei DR der größte und älteste ist. DR hat als selbstständige Institution einen sog. „Public Service“-Vertrag mit dem Kulturministerium. Diese Vereinbarung beschreibt, welche Aufgaben DR zu erfüllen hat. Überwacht wird dies durch den Radio- und Fernsehrat, wobei 8 von dessen 10 Mitgliedern von der Kulturministerin ernannt werden. Außerdem wird die übergeordnete Leitung DRs von einem elfköpfigen Vorstand wahrgenommen. Drei Mitglieder bestimmt die Kulturministerin(inkl. Vorsitz), sechs Mitglieder bestimmt das Parlament(je ein Mitglied der sechs größten Parteien) und zwei Mitglieder entsenden die Mitarbeiter von DR. Diese ‚politische‘ Konstruktion steht hin und wieder zur Diskussion. In den vergangenen Jahren wurde diese Diskussion primär von Politiker_innen aus dem bürgerlichen Lager angestoßen. Im Raum steht zum Beispiel die Überlegung, ob einige der Mitglieder einen professionellen Hintergrund haben sollten. Was konkret damit gemeint ist, wird jedoch nicht immer eindeutig formuliert – genannt werden z.B. Personen mit Erfahrungen aus der Medienbranche 1 Iyengar, S., Curran, J., Lund, A. B., Salovaara-Moring, I., Hahn, K. S.,& Coen, S.(2010). Cross-National versus Individual-Level Differences in Political Information: A Media Systems Perspective. Journal of Elections, Public Opinion& Parties, 20(3), 291–309. https://doi.org/10.1080/17457289.2010.490707 [ 10.12.2020] 2 Andersen, K., Skovsgaard, M.,& Pedersen, R. T.(2019). The X Factor of opportunity structures: How grab and wrap effects of entertainment create inadvertent news audience in a highchoice media environment. European Journal of Communication , 34(5), 535–551. https://doi.org/10.1177/0267323119874623 [ 10.12.2020]
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