Martin Hennicke, Wulf Noll DIREKT 0 2/ 2020 STRUKTURWANDEL IM RUHRGEBIET Was wir für zukünftige Transformationsprozesse daraus lernen können AUF EINEN BLICK Aus dem jahrzehntelangen Strukturwandel im Ruhrgebiet lassen sich Lehren für zukünftige Transformationsprozesse ziehen. Eine ausreichende gesamtstaatliche Finanzierung ist notwendig – gerade hieran hat es bei den Ruhr-Kommunen vielfach gefehlt. Mehr Sicherheit für die Beschäftigten, die Förderung einer aktiven Zivilgesellschaft sowie starke lokale Institutionen, die planvoll miteinander kooperieren und eine Vorstellung davon haben,„wohin die Reise gehen soll“, sind genauso wichtig. AUSGANGSLAGE Das Ruhrgebiet in den Grenzen des Regionalverbands Ruhr(RVR) ist mit ca. 5 Millionen Einwohner_innen in 53 Städten und Kreisen die größte Agglomeration Deutschlands und die fünftgrößte Städteregion in Europa. Seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vollzog sich hier ein tief greifender wirtschaftlicher Wandel. Er wurde geprägt durch den Rückgang des„Montankomplexes“, der Montanindustrien Kohle, Eisen und Stahl und der damit verbundenen Branchen Chemie und fossilen Energiewirtschaft einschließlich ihrer Zulieferindustrien. Während Mitte der 60er Jahre noch über 60 Prozent aller Industriebeschäftigten in diesem Montankomplex arbeiteten, ist es heute nur noch etwa ein Sechstel. Während in den über 300 Jahren des Steinkohlebergbaus einstmals über 3.000 Zechen im Ruhrrevier existierten, ging diese Ära 2018 mit der Schließung der letzten Zeche zu Ende. Zusätzlich muss sich die Region noch auf weitere Anpassungen in der Stahlproduktion und das Ende der fossilen Energieerzeugung einstellen. In den vergangenen Jahrzehnten entstanden beispielsweise mit der Logistik, der IT/Software, der Gesundheitswirtschaft und der Expansion der Dienstleistungen neue Wachstumsbranchen. Etwa vier Fünftel aller Erwerbstätigen arbeiten heute im Dienstleistungssektor. Beim Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum ist die Trendumkehr geschafft: Mit ca. 1,75 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat die Region heute den höchsten Beschäftigungsstand seit 1982, und beim Wirtschaftswachstum bewegt sich die Ruhrregion seit 2010 etwa im Gleichschritt mit dem Land Nordrhein-Westfalen. Eine wirkliche Erfolgsgeschichte ist zudem der Ausbau der Wissenschaftsregion Ruhr: War bis 1965 die Region noch komplett„wissenschaftsfrei“, so wurden innerhalb von 50 Jahren allein 22 Hochschulen mit 260.000 Studierenden sowie elf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in die Region gebracht. Zehn Prozent aller Studierenden in Deutschland tun das mittlerweile in der Ruhrregion. Wichtig waren auch die bisherigen Leistungen in der Städteund Landschaftsreparatur: Die Montanindustrie hatte ja in erheblichen Umfang belastete Flächen und sanierungsbedürftige Landschaften zurückgelassen. Etwa 2.700 Hektar belastete Industrie- und Gewerbeflächen wurden bisher reaktiviert mit ca. 2,2 Milliarden Euro Kosten. Zusätzlich musste mit dem Großprojekt„Neues Emschertal“ auf einer Strecke von 50 Kilometern der Fluss Emscher, der während der Montanära als offener, betonierter Abwasserkanal geführt wurde, einschließlich seiner Nebenflüsse großflächig saniert werden. Mit über 5 Milliarden Euro Gesamtkosten entstanden neue Freizeit-, Natur- und Siedlungsflächen entlang der Emscher, auf über 350 Kilometern neue Gewässerlandschaften. Nicht zu beziffern sind die zahlreichen Sanierungsinvestitionen in städtischen Quartieren, die bisher geleistet wurden und auch zukünftig > ERFOLGE BEIM WIRTSCHAFTLICHEN WANDEL Beim wirtschaftlichen Transformationsprozess in dieser ehemals monostrukturierten Region wurde mittlerweile viel erreicht:
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Strukturwandel im Ruhrgebiet : was wir für zukünftige Transformationsprozesse daraus lernen können
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