Dietrich Thränhardt DIREKT 10/ 2020 DIE INTEGRATIONSKURSE WERDEN EVALUIERT Eine erste Analyse des Zwischenberichts AUF EINEN BLICK Der Zwischenbericht des Bundesamts für Migra‑ tion und Flüchtlinge(BAMF) zur Evaluation der Integrationskurse weist auf strukturelle Proble‑ me hin. Dies gilt sowohl für den Sprach- als auch für den Orientierungsteil. Institutionelle Interes‑ sen des BAMF stehen im Vordergrund. Im End‑ bericht sollten Defizite deutlicher benannt und analysiert werden, um Verbesserungen zu er‑ möglichen. 1. DER DISKUSSIONSSTAND Mit der Veröffentlichung des ersten Zwischenberichts zur Evaluation(BAMF 2019) der Integrationskurse hat das BAMF eine neue Debatte um deren Qualität und Struktur eröffnet. Die Kurse gelten seit ihrer Zentralisierung 2005 als ein Herzstück der deutschen Integrationspolitik. Ihre Evaluation beruht bisher auf der BAMF-Geschäftsstatistik, dem Sozioökonomischen Panel und 21 Interviews – davon sieben mit Kursträgern, vier mit Lehrkräften und zehn mit Teilnehmenden. Weitere 2.000 Interviews mit Teilneh‑ menden und 450 Interviews mit Lehrkräften sowie Kurs‑ trägern sind geplant. Da sie an Befragungsunternehmen vergeben werden sollen, dürfte die aktuelle Untersuchungs‑ phase, wie sie im Zwischenbericht skizziert wird, für die Qualität der Fragestellungen und damit der gesamten Eva‑ luierung entscheidend sein, denn die Auftragsunternehmen werden nicht in der Position sein, bei Bedarf die Frage‑ stellungen zu erweitern oder interaktiv zu intensivieren, also nachzufragen. Dazu kommt, dass das Verfahren ins‑ gesamt ohnehin den methodologischen Schwachpunkt aufweist, dass die für die Umsetzung der Kurse verant‑ wortliche Institution – das BAMF – deren Evaluation durch das eigene Forschungszentrum konzipieren und vorneh‑ men lässt. 2. BEDARF, ANGEBOT, LÜCKEN UND „KONKURRENZ“ Der Zwischenbericht betont den grundsätzlichen Erfolg der Integrationskurse, hervorgehoben wird auch die Auswei‑ tung der Angebote im Zeichen der Flüchtlingskrise 2015. Andererseits wird auf den ersten Blick sichtbar, dass die ge‑ stiegenen Teilnehmendenzahlen nicht mit dem Anstieg der Flüchtlings- und Zuwandererzahlen Schritt halten konn‑ ten. Wie andere BAMF-Veröffentlichungen zeigen, waren Sprachkurse außerhalb der BAMF-Zuständigkeit 2013 wichtiger als die BAMF-Kurse selbst, bis heute haben sie große Bedeutung(siehe Tabelle 1). Tabelle 1 Geflüchtete: Teilnahme am Integrationskurs des BAMF und an anderen Sprachkursen Jahr 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Integrationskurs 46 % 60 % 50 % 40 % 52 % 65 % sonstiger Deutschkurs 63 % 54 % 51 % 42 % 48 % 52 % Quellen: Brücker et al. 2019: 6 und Paiva Lareiro et al. 2020: 8. Offensichtlich nehmen viele Geflüchtete auch nacheinander an mehreren Kursen teil, soweit sie Zugang bekommen – so etwa zunächst an einem Kurs mit Ehrenamtlichen, bevor ein BAMF-Kurs möglich wird. Angesichts der langen Warte‑ zeiten war dies ihr individueller Versuch, sprachlich weiter‑ zukommen. Zwar würde die Mehrheit der Teilnehmer_in>
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Die Integrationskurse werden evaluiert : eine erste Analyse des Zwisychenberichts
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