3.3 WIE MENSCHEN ÜBER IHR LAND DENKEN Viele Menschen, die Zuwanderung als Bedrohung sehen, wünschen sich eine homogene Gesellschaft. Mögliche Probleme bei der Integration hängen also direkt zusammen mit dem Gefühl, dass die Zusammengehörigkeit bedroht wird. Wo kommt die Vorstellung einer homogenen Gesellschaft her? Das ist ganz klar: aus geteilten Erfahrungen, aber noch viel mehr aus geteilten Gefühlen, zum Beispiel über die Geschichte und Kultur. Bei der Entstehung von größeren Staaten spielte Gefühl eine große Rolle. Stellen Sie sich vor, Sie lebten im 19. Jahrhundert und hatten einen kleinen Kaufmannsladen in Hamburg. Natürlich wussten Sie, dass es viele andere Gebiete gab, wo die Menschen Deutsch sprechen. Aber würden Sie da jemals hinkommen? Ein Sommer im Schwarzwald, das wäre wie eine Weltreise. Die Familie in Sachsen besuchen, vielleicht einmal im Leben. Menschen aus diesen Gebieten würden Sie also nur sehr selten treffen. Die Chance, im Hamburger Hafen mit Holländern oder Portugiesen zu reden, war viel größer. Und einige Produkte für Ihren Laden bekamen Sie sogar von Übersee. Trotzdem fühlten Sie sich als Hamburger irgendwie mit Schwaben und Sachsen verbunden. Deutschland als einen Staat, das gab es noch nicht. Aber die deutsche Sprache hatten alle gemein. 48
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