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Europas Kohäsion : Fortschritt im Schneckentempo
Entstehung
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Michael Dauderstädt DIREKT 09/ 2019 EUROPAS KOHÄSION: FORTSCHRITT IM SCHNECKENTEMPO AUF EINEN BLICK Die europaweite Ungleichheit und Armutsrisiko­quote sind beide zwischen 2016 und 2017 weiter leicht gesunken. Maßgeblich dafür war das starke Wachs­tum in den ärmeren neuen EU-Mitglied­staaten zwi­schen Baltikum und Balkan. Vor allem die Anzahl der Menschen unterhalb der Armutsschwelle von 60 Prozent des mittleren europäischen Einkommens ging um mehrere Millionen zurück. Die europaweite Ungleichheit und Armutsrisiko­quote liegen damit aber immer noch deutlich über dem Niveau in ein­zelnen EU-Mitgliedstaaten. Bei den Europawahlen drohen europaskeptische Parteien einen beispiellosen Erfolg zu erzielen. Sie mobilisieren die Enttäu­schung vieler Menschen in der Europäischen Union(EU). Sie suchen die Schuld für soziale Probleme in Brüssel und in den offenen Grenzen Europas. Angst vor Zuwanderung aus anderen EU-­Mitgliedstaaten ihrerseits eine Folge großer innereuropäischer Einkommensunterschiede trieb den Brexit Großbritanniens. In der Tat sind Ungleichheit und Armut in der EU skandalös hoch, aber es gibt gerade in jüngster Zeit wieder Fortschritte, auch wenn sie nur langsam sind. EINE EUROPÄISCHE PERSPEKTIVE AUF UNGLEICHHEIT UND ARMUT Aus nationaler Perspektive gilt: Innerhalb von Ländern sind die Einkommen ungleich verteilt und am unteren Ende der Verteilung leben Menschen in Armut. Üblicherweise werden die Haushalte als von Armut bedroht angesehen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens erhalten. Die Armuts­risikoquote gibt an, welchen Anteil diese Menschen an der Gesamtbevölkerung ausmachen. Diese nationale Quote lag 2017 in den EU-Mitgliedstaaten zwischen 24 Prozent und elf Prozent im gesamten EU-Durchschnitt bei 16,9 Prozent. Die Ungleichheit wird oft mit der S80 / S20-Quote gemessen, die das Verhältnis des Einkommens zwischen dem reichsten und ärmsten Fünftel(oder Quintil) eines Landes angibt. Der nationale Wert dieses Indikators lag 2017 in den EU-Mitglied­staaten zwischen 8,2(Bulgarien) und 3,4(Slowenien). ! Wenn man die EU selbst als einen Wirtschaftsraum betrach­tet, so kann man für sie die gleichen Indikatoren berechnen. Allerdings wird die Abschätzung dadurch erschwert, dass man sowohl die Verteilung innerhalb der einzelnen Mitglied­staaten als auch zwischen diesen berücksichtigen muss. Dadurch verändern sich die Werte stark, da die Einkommens­unterschiede zwischen den Ländern Europas erheblich sind. So ist das Bruttoinlandsprodukt(BIP) pro Kopf in Deutschland mehr als fünfmal so hoch wie in Bulgarien. Allerdings redu­zieren sich die Einkommensunterschiede zwischen den Ländern, wenn man die nominalen Einkommen in Kaufkraftstärken(KKS) umrechnet. Da das Preisniveau in ärmeren Ländern niedriger ist, ist dort die Kaufkraft eines bestimmten Währungsbetrags höher. Eurostat gibt für die Ungleichheit in der EU einen Wert an, der diese Unterschiede zwischen den Ländern ausblendet. Bei Eurostat setzen sich das reichste und das ärmste euro­pä­ische Quintil aus den nationalen ärmsten und reichsten Quin­t­ilen zusammen, obwohl z. B. die Haushalte im ärmsten französi­schen Quintil nicht zu den ärmsten der EU zählen und selbst das reichste rumänische Quintil im Durchschnitt zu den ärmsten der EU gehört. So gibt Eurostat einen methodisch falsch konstruierten Wert von 5,1 für die Ungleichheit in der EU an (unterste Linie in Abbildung 1). Um die europaweite Ungleichheit abzuschätzen, ist es für die Berechnung der S80 / S20-Quote daher notwendig, das ärmste und reichste Quintil der Gesamtbevölkerung der EU (mit jeweils etwas über 100 Millionen Menschen) zu bilden. >