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(2022) 5. Perspektive Gerechtigkeit: eine Geschlechterfrage : politische Einstellungen und Wahlverhalten von Frauen in Nordrhein-Westfalen
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Ausgabe 5| 2022 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung Christoph Döbele Perspektive Gerechtigkeit: eine Geschlechterfrage Politische Einstellungen und Wahlverhalten von Frauen in Nordrhein-Westfalen Eine Analyse von Kantar Public(Juni 2022) im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro NRW Frauen setzen bei vielen politischen Fragen andere Prioritä­ten als Männer. Für sie sind Themen wie eine gerechte Ent­lohnung und staatliche Steuerung im Bereich Wohnen und Gesundheit deutlich wichtiger. In der Politik stehen weniger Parteien und Personen, sondern die gesellschaftliche Aus­handlung von Gerechtigkeit und das Engagement eines star­ken Staates im Vordergrund. Diese Einstellungen können zum Teil als Folge ihres häufig noch immer geringeren Einkommens und der größeren Sorge um ihren Beruf gesehen werden. 1. Unterschiede im Wahlverhalten Um die Unterschiede im Wahlverhalten zwischen Frauen und Männern bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2022 besser erklären zu können, nehmen wir zunächst die politische Stimmung vor der Wahl im Bundesland in den Blick. Schlechtere Einschätzung der Lage Die Daten aus einer Befragung von Infratest dimap in der Woche vor der Wahl geben Aufschluss darüber, dass Frauen die wirt­schaftliche Lage in Nordrhein-Westfalen im Vorfeld der Landtags­wahl deutlich schlechter(43 % sehr gut / gut) bewerteten als Männer(58 % sehr gut / gut). Gleichzeitig geht es ihrer Einschät­zung nach in Deutschland insgesamt eher ungerecht(47 %) als gerecht(42 %) zu Männer sehen dies umgekehrt(41 % unge­recht und 53 % gerecht). Diese schlechtere Einschätzung der aktuellen Lage durch Frauen passt zu den Befunden einer FES-Studie unter Wahlberechtigten Christoph Döbele arbeitet als Senior Consul­tant in der Politikforschung bei Kantar Public. Auf Grundlage quantitativer und qualitativer Forschung berät er Kund_innen aus Politik, Ge­sellschaft und Medien zu relevanten politischen und gesellschaftlichen Fragen. in NRW vom November 2021, in der Frauen auch ihre persönliche finanzielle Situation signifikant schlechter bewerteten als Männer und sich bei der Priorisierung verschiedener Wirtschaftsfragen ver­stärkt für höhere Löhne aussprachen(27 % vs. 22 % für Männer). Verringerung des Gender Pay Gap ist Frauen wichtiger Die sozioökonomische Situation von Frauen gestaltet sich damit in vielen Fällen noch immer schwieriger als bei Männern man kann demzufolge annehmen, dass die Verringerung des in Deutschland nach wie vor bestehenden Gender Pay Gaps Frauen wichtiger ist als Männern. Auch an anderer Stelle wird dies deut­lich: So finden fast vier Fünftel der befragten Frauen(79 %), dass der Gesetzgeber die Bezahlung nach Tarif besser durchsetzen sollte, gegenüber rund zwei Dritteln(68 %) der Männer. Die Zuschreibung von Parteikompetenzen zeigt unmittelbar vor der Landtagswahl nur in Wirtschaftsfragen bedeutsame Unter­schiede zwischen den Geschlechtern und lässt sich vor dem Hin­tergrund der eben dargelegten unterschiedlichen Wahrneh­mung und Präferenzen gut interpretieren: So trauen Frauen der SPD in Wirtschaftsfragen mehr zu, ein Viertel(26 %) sieht sie als die Partei, die am ehesten wirtschaftliche Aufgaben lösen kann. Unter Männern vertritt nur ein Fünftel diesen Standpunkt(21%). Diese sehen die Wirtschaftskompetenz hingegen vermehrt bei der CDU(Frauen 30 %, Männer 37 %). Angesichts der unter­schiedlichen politischen Forderungen der beiden Parteien in Wirtschaftsfragen scheint die differenzierte Wahrnehmung von Frauen und Männern durchaus plausibel. Thema Entlohnung wirkt sich auch auf andere Politikbereiche aus Beide Gruppen betrachten die allgemeinen Preissteigerungen in vergleichsweise hohem Maße als wahlentscheidendes Thema (19 % Frauen vs. 20 % Männer). Bei Frauen zählen zu den weite­Landesbüro NRW