40 INTERNATIONAL in Brüssel Podiumsdiskussion Mit europäischer Industriepolitik aus der Krise „ E s gibt he u te keine nationalen C hampions meh r, nicht mehr die deutsche Automobilindustrie oder die französische Stahlindustrie.“ Günter Verheugen bei der Podiumsdiskussion in Brüssel(Foto: Iller) Es handle sich inzwischen längst um europäische Industrien, machte der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Günter Verheugen, zum Auftakt einer Podiumsdiskussion der FES-Brüssel in Kooperation mit dem Europäischen Metallgewerkschaftsbund(EMB) zur Zukunft europäischer Industriepolitik klar. Poul Nyroup Rasmussen, Präsident der Europäischen Sozialistischen Partei und Harald Wiedenhofer, Generalsekretär der European Federation for Food, Agriculture and Tourism Trade Unions, wandten sich mit der Forderung an die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, protektionistische Maßnahmen zur Abschottung gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise zu unterlassen. Derlei kurzfristig gedachte Maßnahmen gefährdeten die langfristigen Ziele einer funktionierenden Wirtschaft in Europa. Die Stärkung von Beschäftigung und Beschäftigungsfähigkeit wurde in der Diskussion einhellig als essentiell für die Zeit während der Krise identifiziert. Die Krise habe den aufgrund von zahlreichen Überkapazitäten ohnehin notwendigen Strukturwandel in der Industrie beschleunigt. Umso mehr komme es daher nun europaweit auf die Entwicklung von Innovationen an und gleichzeitig auf die Weiterentwicklung der Qualifizierung der Arbeitnehmer. Hierfür bedarf es europäischer Konzepte wie etwa ein Modell der„green jobs“. +++ F E S+++ K UR Z G E F A S S T+++ F E S +++ K UR Z G E F A S S T+++ F E S +++ +++ In einer Rede zum sozialen Europa, die Franz Müntefering im Februar bei einem öffentlichen Empfang der FES-Brüssel vor Vertretern aus den europäischen Institutionen und dem weiteren politischen Umfeld hielt, betonte der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, es sei von großer Bedeutung,„dass der Primat der Politik wieder in Kraft tritt“. Außerdem gäbe es in einer globalisierten Welt keine Chance, die Probleme nur über die nationale Ebene lösen zu wollen. Die Kunst der Politik im nächsten Jahrzehnt bestünde darin, es zu schaffen, in 27 souveränen Staaten in Europa Vereinbarungen darüber zu treffen, wie in Zukunft Politik orga(Foto: Müller) nisiert sein soll.+++ +++„Die Politik tritt, was das soziale Europa angeht, auf der Stelle, ja sie hat sogar den Rückwärtsgang eingelegt“, stellte Reiner Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, fest. Für die Zukunft hebt er drei zentrale Herausforderungen hervor: ein nachhaltiges Wirtschaften, die Stärkung der Arbeitnehmerrechte und eine neue Regulierung der Finanzpolitik. Hoffmann diskutierte zusammen mit Knut Fleckenstein, Geschäftsführer des ASB in Hamburg, beim Julius-Leber-Forum der FES die Frage„Soziales Europa in der Krise?“ Das Soziale Europa stand auch im Mittelpunkt von zwei weiteren Veranstaltungen, die das JuliusLeber-Forum mit Europa-Abgeordneten und – Spitzenkandidatinnen durchgeführt hat: Ulrike Rodust in Schleswig-Holstein und Karin Jöns in Bremen.+++ FES I N F O 1/2009
Heft
(2009) 1
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