Heft 
(2011) 01
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42 EUROPA UND DIE WELT EUROPA UND DIE WELT VERNETZEN Auslandsbüros stellen sich vor NEUANFANg IN EINEM BEFREITEN LAND DAS FES-BüRO IN TUNIS Sprechchöre, Jubel, Lachen: In der eigentlich ruhigen Gegend rund um das Büro der Friedrich Ebert Stiftung in Tunis bildete sich an diesem Vormittag im Januar ein kleiner Menschenauf­lauf. Noch herrschte Ausnahmezustand, noch waren nicht alle Barrikaden von den Straßen ge­räumt und die Sicherheitslage prekär, und noch war der Bürobetrieb nicht wieder aufgenommen. Das Ende der Ära Ben Ali lag erst vier Tage zurück, aber die etwa 30 jungen Leute des FES-Projekts Génération AVenir, die sich da in den Armen lagen, diskutierten bereits lautstark und aufge­kratzt ihr weiteres Vorgehen, formulierten Forde­rungen, kontaktierten Medien und berieten über die Gründung neuer Organisationen. Es war das erste Mal, dass sie nach den Demonstrationen und Polizeieinsätzen, nach der Flucht des Präsi­denten und den Feuergefechten zwischen Präsi­dialgarde und Armee wieder zusammenkamen. Sie feierten ihre Revolution, ihren Sieg. Mitten unter ihnen: Der für die Jugendarbeit zuständige FES-Programmkoordinator Sami Adouani. Mit beispielloser Dynamik hatten sich ab Mitte Dezember 2010 die politisch-sozialen Proteste in Tunesien zu einer landesweiten Massenbe­wegung ausgeweitet, die in weniger als einem Monat den seit 1987 regierenden Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali aus dem Land jagte. Eine neue Form von Aufstand durch keine Partei oder Organisation gelenkt brachte ein Regime zum Sturz, das über alle Machtmittel verfügte und als eines der stabilsten der Region gegolten hatte. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung bedeutet das nach 23 Jahren Präsenz in Tunesien einen Neuanfang. War früher die Arbeit mit kritischen und unabhängigen politischen Partnerorganisa­tionen wie der tunesischen Menschenrechtsli­ga vielfältigen Einschränkungen ausgesetzt, ist die Stiftung jetzt frei in der Wahl ihrer Themen und Instrumente. Die Aufbruchstimmung ist auch unter den Mitarbeitern zu spüren: Es ist die Freude darüber, für eine Institution tätig zu sein, die Teil des Prozesses ist.Denn schließlich, so Khaled Tahari, der Fahrer und Logistikverant­wortliche des Büros,haben wir doch genau für diese Ziele jahrelang gearbeitet. Bereits unmittelbar nach dem Sturz Ben Alis hat die FES ihre gesellschaftspolitische Arbeit den veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Im Mittelpunkt steht jetzt die Unterstützung des demokratischen Wandels: eine besondere Herausforderung in einer historischen Situati­FES I N F O 1/2011