Heft 
(2009) 1
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Israel Kontrovers Nr. 1 Die innerisraelische Diskussion zum Gaza-Krieg Die von der israelischen Armee vom 27.12.2008 bis 17.01.2009 unter dem Namen"Gegossenes Bleidurchgeführte Militäroperation gegen die im Gaza-Streifen regierende Hamas wurde und wird sowohl in der israelischen Öffentlichkeit als auch unter israelischen Politikern und Sicherheitsex­perten intensiv diskutiert. In der israelischen Öffentlichkeit gab es mit Ausnahme der arabischen Bürger des Landes von Anfang an eine überwältigende Zustimmung zur Operation. Als die Kampfhandlungen nach 22 Ta­gen endeten, forderten ca. 50% der Israelis sogar die Fortsetzung der Kämpfe, da sie nicht an ein Ende der Bedrohung aus dem Gaza-Streifen glauben. Ein weiteres Merkmal der öffentlichen Mei­nung ist, dass es in der Bevölkerung und in den Medien so gut wie keine Artikulationen von Empa­thie mit der großen Anzahl von Opfern unter der Bevölkerung des Gaza-Streifens gab. Nachfolgend stellen wir die konträren Positionen von zwei renommierten israelischen Sicherheits­experten vor, die das Spektrum der innerisraelischen Debatte zu Verlauf und Ergebnissen der Mili­täroperation aufzeigen. Beide Autoren, obwohl sie zu ganz unterschiedlichen Schlüssen kommen, führen triftige Argumen­te für ihre Positionen an. Dr. Reuven Pedatzur, Dozent am Netanya College, vertritt eine ausgesprochen kritische Position zu der Operation. Er kommt zu dem Schluss, dass der"Einsatz militärischer Gewalt gegen die Hamas unvermeidlich war", dass dies jedoch nicht den"exzessiven Einsatz" derselben rechtferti­ge. Weiterhin konstatiert er die ungenaue Zielsetzung, die fehlende Exitstrategie und warnt ange­sichts von"Zufriedenheit und Selbstlob" unter Militärs und Politikern davor, aus dieser Operation, die"kein Krieg, ja nicht einmal ein wirklicher Kampf" gewesen sei, die falschen Schlüsse zu ziehen. Prof. Ephraim Inbar von der Bar-Ilan-Universität ist dagegen der Meinung, dass die israelische Armee ihren Auftrag diesmal im Gegensatz zum Libanon-Krieg 2006 sehr gut erfüllt habe. Für ihn war die Anwendung der militärischen Mittel angemessen. Die Hamas sei zwar empfindlich ge­schwächt worden, werde den Gaza-Streifen aber weiter regieren. Er sieht die Zwei-Staaten­Lösung als ein"sinnloses Unterfangen" an und plädiert für einen"realistischeren Ansatz" für den israelisch-palästinensischen Konflikt. Dr. Ralf Hexel Director, FES Office Israel Herzliya, 26. Februar 2009