Heft 
(2008) 3
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4 DEUTSCHLAND Ebert-Stiftung Neue Studie der Friedrich­Blick in die Mitte der Gesellschaft VIELE REDEN VON IHR, ALLE WOLLEN SIE GEWINNEN, DOCH NIEMAND K A N N S I E W I R K L I C H G R E I F E N: D I E M I T T E D E R G E S E L L S C H A F T. Gemeint ist mit diesem Begriff die große Mehrheit der Bevölkerung und die diese Personen verbin­denden Handlungsweisen und Einstellungsmuster. Welche politischen Stimmungen sind vor­herrschend bei der Mehrzahl der Bevölke­rung? Meinungsbefra­gung der FES(Foto: Publix) Im Auftrag der Friedrich­Ebert-Stiftung haben Wissen­schaftler der Universität Leip­zig in bundesweit zwölf Grup­pendiskussionen Personen nach ihren politischen Meinun­gen befragt, um daraus Rück­schlüsse auf die Entstehungs­bedingungen demokratischer oder rechtsextremer Einstel­lungen zu ziehen. Wir wollten die politischen Aussagen mit den Lebensläufen der befragten Personen in Ver­bindung bringen, erläutert Projektleiter Dr. Oliver Decker. Der dabei entstehendeBlick in die Mitte so der Titel der Studie wurde im Juni veröf­fentlicht und schließt an die Re­präsentativbefragungVom Rand zur Mitte über das Aus­maß rechtsextremer Einstel­lungen in Deutschland vom Herbst 2006 an. Rechtsextremismus gedeiht auf dem Boden von Angst- und Ausgrenzungserfahrungen. Gleichzeitig zeigen sich weit verbreitete ausländerfeindliche Einstellungen sowie eine gerin­ge Wertschätzung der Demo­kratie in der deutschen Bevöl­kerung so ein Kurzfazit der Untersuchung. Ausländerfeind­liche Ressentiments zeigten mit besorgniserregender Selbstver­ständlichkeit auch Personen, die sich in der Fragebogenun­tersuchung 2006 nicht rechts­extrem geäußert hatten. Ein Grund für die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshin­tergrund ist der von vielen ver­spürte hohe gesellschaftliche Normierungsdruck. Weil Sank­tionen gegenüber abweichen­dem Verhalten akzeptiert wer­den, geraten insbesondere Mig­ranten sowie Arbeitslose unter Anpassungsdruck und werden ausgegrenzt. Daneben verbindet sich das Unverständnis vieler Befragter der Möglichkeiten zur Mitge­staltung in einer Demokratie mit einer alarmierenden Ge­ringschätzung des demokrati­schen Systems: Demokratie wird nicht als Freiheit garan­tierender Wert anerkannt, son­dern nur insofern akzeptiert, wie sie individuellen Wohlstand garantiert. Schließlich zeigte sich, dass die Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit auch heute noch große Bedeutung hat:Wir können sogar bei heute 20- bis 30-jährigen fest­stellen, dass eine demokrati­sche Einstellung häufig einher­geht mit einer Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, die Scham und Schuld über die fa­miliären Verstrickungen zu­lässt, so Decker. Auch zu möglichen Konsequen­zen der Untersuchungsergeb­nisse äußern sich die Autoren der Studie: Das Wissensdefizit über die Demokratie müsse ab­gebaut und Empathiefähigkeit gegenüber anderen Lebenswei­sen gefördert werden. Die Erin­nerung der deutschen NS-Ver­gangenheit sollte sowohl in­haltlich als auch emotional ausgestaltet werden. DIE STUDIE IM NETZ www.fes.de/rechtsextremismus/studie FES I N F O 3/2008