Heft 
(2010) 4
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Israel Kontrovers Nr. 4 25. August 2010 Stürmung der Gaza-Flottille Kontroverse Reaktionen in Israel und wachsende internationale Isolation Am 31.05.2010 wurde etwa 120 Seemeilen vor der israelischen Küste ein aus sieben Schiffen bestehender Konvoi der Organisation"Free Gaza" durch Eliteesoldaten der israelischen Marine gestürmt und an der Weiterfahrt gehindert. Die Schiffe transportierten ca. 12.000 Tonnen Hilfsgüter für die Bevölkerung des von Israel mit einer Seeblockade behängten Gazastreifens und hatten etwa 600 Aktivisten aus insgesamt 42 Ländern an Bord. Bei dem Militäreinsatz wurden auf dem größten Schiff des Konvois, der unter türkischer Flagge fahrenden"Mavi Marmara", neun pro-palästinensische Aktivisten- alle waren türkische Staatsbürger- getötet und mehr als 40 verletzt. Auf den anderen fünf Schiffen gab es keine Toten oder Verletzte. Der Gazastreifen war im Juni 2007 von Israel komplett abgeriegelt worden, nachdem die radikal­islamistische Hamas in einem blutigen Putsch gegen die säkulare Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas dort die Macht übernommen hatte. Israel begründet seine Blockade vor allem mit der Verhinderung des Schmuggels von Waffen und Raketen in den Gazastreifen. Besonders seit der Machtübernahme durch die Hamas war Israel von dort mit Tausenden Raketen und Mörsergranaten beschossen worden. Außerdem will Israel mit der Blockade die Freilassung des 2006 von der Hamas entführten Soldaten Gilad Shalit erzwingen. Die internationale Organisation Free Gaza, die den Konvoi organisierte, verfolgt das Ziel, mit Hilfsgütern die Bevölkerung des Gazastreifens zu unterstützen. Vertreter der Organisation lassen zugleich keinen Zweifel daran, dass es auch darum gehe, die Blockade des Gebiets durch Israel öffentlich anzuprangern und zu überwinden. Der an der Organisation des Schiffskonvois beteiligten türkischen Stiftung für Menschenrechte und Freiheit(IHH) wird von israelischer Seite vorgeworfen, Verbindungen zu Hamas, al-Qaida und anderen terroristischen Netzwerken zu unterhalten. Überzeugende Beweise für diese Behauptungen konnte Israel bisher aber nicht liefern. Türkische Zeitungen berichteten außerdem, dass einige der Aktivisten an Bord als Mitglieder islamistischer Organisationen bekannt seien und sich von ihren Familien verabschiedet hätten, um in dieser Aktion als Shahid, also als Märtyrer zu sterben. Die internationale Öffentlichkeit reagierte mit Protesten, heftiger Kritik und Bestürzung auf den Vorfall. 1