Schlaglicht Israel Nr. 21/11 Aktuelles aus israelischen Tageszeitungen 14.- 28. November 2011 1. Kontroverse Gesetzesinitiativen der Regierungskoalition In den letzten Wochen haben Abgeordnete der Regierungskoalition eine Reihe von Gesetzesvorschlägen vorgelegt, die eine intensive öffentliche Debatte hervorgerufen haben und von Kritikern als "anti-demokratisch" bezeichnet werden. Im Wesentlichen betreffen sie drei Institutionen, die von der israelischen Rechten häufig als Bastionen der Linken charakterisiert werden: Den Obersten Gerichtshof, die Medien und Menschenrechtsorganisationen. Eine Initiative des Yisrael Beitenu Abgeordneten Robert Ilatov zielt darauf ab, die Wahl der Richter des Obersten Gerichts zu reformieren. Gegner sehen darin den Versuch, Richter zu ernennen, die der Regierungskoalition genehm sind. Ein anderer Gesetzesvorschlag sieht vor, dass Richterkandidaten zunächst von einem Parlamentsausschuss überprüft werden müssen. Ein dritter Vorschlag wurde von zwei Abgeordneten des Likud eingereicht und soll verhindern, dass vor dem Obersten Gericht gegen die Regierung geklagt werden kann, ohne dass der jeweilige Kläger direkt geschädigt ist. Damit könnten israelische Organisationen keine allgemeinen Klagen gegen kontroverse Regierungsaktivitäten einreichen. Während die erste Initiative in der ersten von drei Lesungen in der Knesset verabschiedet wurde, sprach sich Premierminister Benjamin Netanyahu gegen die anderen beiden Vorschläge aus und erreichte damit ihre Zurücksetzung. Zwei weitere Gesetzesinitiativen, die die Finanzierung von"politischen Nichtregierungsorganisationen" betrafen, wurden aufgrund eines Vetos von Netanyahu nicht zur Abstimmung gebracht. Sie zielen darauf ab, die Finanzierung von Menschenrechtsorganisationen durch ausländische Regierungen stark einzuschränken. Verabschiedet hingegen wurde in der ersten Lesung ein neues Gesetz gegen Verleumdung, das Abfindungen für Opfer von 50,000 auf bis zu 500,000 NIS erhöht, ohne dass eine konkrete Schädigung nachgewiesen werden muss. Die Medien sehen sich durch diese Initiative in ihrer Berichterstattung eingeschränkt. Etwa 2000 Menschen demonstrierten in Tel Aviv gegen die kontroversen Gesetzesvorschläge. Laws that endanger democracy "The latest moves in the Knesset, in which aggressive groups from the Right are taking control of the discourse by passing a slew of nationalistic and populist laws, presents an existential threat to democracy. Those same right-wing Knesset members do not understand that real democracy means not only majority rule, but protection of free expression, respect for the rights of minorities and a constant struggle to preserve the principle of separation of powers, as well. Netanyahu[…] must take responsibility[…]. As a learned person who is familiar with history, he knows that liberal democratic regimes which fail to stand firm against fascist moves, even when they are installed by the voice of the masses, are doomed to fall." Avishay Braverman, IHY 16.11.11 A nation betrayed? "While it might be possible to argue that the existing legislative proposals lack a measure of polish and refinement, it cannot be disputed that they raise issues of significance and urgency which must be confronted[…]. Protection of the rights of minorities is one thing. Promotion of the ability of minorities to subvert the democratic process is quite another. There is nothing vaguely democratic about facilitating the imposition of minority views on the majority via extraparliamentary action funded by foreign governments. There is nothing vaguely undemocratic in a sovereign state instituting measures to limit[…] attempts by alien sovereignties to empower fringe elements in the country, with negligible domestic 1
Heft
(2011) 21
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