Schlaglicht Israel Nr. 9/17 Aktuelles aus israelischen Tageszeitungen 1.-15. Mai Die Themen dieser Ausgabe 1. Aus IBA wird IBC.......................................................................................................................................... 1 2. Umstrittenes Nationalstaatsgesetz............................................................................................................. 2 3. Hungerstreik der Häftlinge.............................................................................................................................. 4 4. Medienquerschnitt............................................................................................................................................ 8 Aus IBA wird IBC Mit unterdrücktem Schluchzen las Nachrichtensprecher Kobi Barkai am Ende der letzten Nachrichtensendung von Israels staatlichem Rundfunk dasselbe Gedicht von Hayyim Nahman Bialik, mit dem die Stimme Israels 81 Jahre zuvor auf Sendung gegangen war. Unmittelbar an den Sendeschluss der IBA (Israel Broadcasting Authority) nahm der öffentliche Sender IBC(Israeli Broadcasting Corporation) die Arbeit auf – mit denselben Stimmen, die zur vollen Stunde die Nachrichten lesen, und mit überwiegend denselben Gesichtern, die die neuen Programme präsentieren. Alles komplett abzuschalten, um gleich wieder anzufangen, schien der einzige Weg, um den alten Sender, der mit zu viel Personal und festgefahrenen Strukturen zu teuer und immer weniger attraktiv geworden war, zu reformieren. In neuen Räumen ein unabhängigeres Programm zu machen, war das Ziel. Der neue Sender soll ohne Rundfunkgebühren auskommen und künftig aus dem Staatshaushalt finanziert werden. Umgerechnet knapp 90 Euro jährlich sparen die privaten Haushalte. Regierungschef Benjamin Netanyahu hätte die Reform am liebsten ad acta gelegt, da ihm der neue Sender zu unabhängig anmutet. Der Zug war indes nicht mehr aufzuhalten, denn das Abspecken überflüssigen Personals, angefangen mit 750 Mitarbeiter_innen, die bereits im vergangenen Jahr verabschiedet wurden, wird aus dem Verkauf der Gebäude der alten Sendeanstalt IBA in Jerusalem und Tel Aviv finanziert. Ob Netanyahus Plan aufgeht, bei IBC Unterhaltung und Nachrichten zu trennen und einen seiner Getreuen an die Spitze der Nachrichtengesellschaft zu setzen, blieb offen. Nur Stunden vor Sendebeginn entschied der Oberste Gerichtshof gegen eine Trennung der Zuständigkeiten für die beiden Sparten. Another targeted assassination of Israeli media (…) Some mistakenly think that things got out of control, but everything is under the control of one person,(…) Benjamin Netanyahu(…). Because the best way to scare the public is to show that the power structure not only beats up on the weak, it beats up on the strong as well.(…) The method is simple. A decision is made, protest arises, the protest is silenced by a meeting of protesters convened by the prime minister himself. The naïve protesters are convinced that the man who likened them to Hamas in his election propaganda is going to fight to the end to keep things as they are(…) – but only get the finger. Heads roll in basements, the spin job goes wild in the Whatsapp accounts of TV news editors, and just when things seem to be shaping up, the bad news is brought down like a sword. Half an hour before the IBA’s flagship program is aired, 49 years after it debuted, its staff gets half an hour to say goodbye, half an hour to find the words. The players are mostly exhausted, too frightened to make a sound, to protest or identify themselves.(…) This ends our broadcast. Another successful targeted assassination by the right-wi ng’s government. Emilie Moatti, HAA, 11.05.17 1
Heft
(2017) 9
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