Schlaglicht Israel Nr. 9/20 Aktuelles aus israelischen Tageszeitungen 1.-15. Mai Die Themen dieser Ausgabe 1. Neue Regierung vereidigt............................................................................................................................................... 1 2. Pompeo bekräftigt US-Friedensplan.............................................................................................................................. 3 3. Ende der Corona-Sperre................................................................................................................................................. 5 4. Medienquerschnitt........................................................................................................................................................... 7 1. Neue Regierung vereidigt Israel hat eine neue Regierung. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vom konservativen Likud und Benny Gantz, Chef der Mitte-Partei Blau-Weiß, einigten sich darauf, das höchste politische Amt zu teilen. Netanyahu soll in den ersten 18 Monaten Chef der Regierung sein, und am 17. November 2021 das Amt an Gantz abgeben. Teil der neuen Koalition sind auch die zwei ultra-orthodoxen Parteien, die Arbeitspartei, die aus zwei Abgeordneten bestehende Derech Eretz und Gesher-Vorsitzende Orly Levi-Abekasis. Das Oberste Gericht in Jerusalem hatte Petitionen gegen eine weitere Amtszeit Netanyahus sowie die Koalitionsvereinbarung zurückgewiesen. Die Richter entschieden, dass es trotz der Korruptionsanklagen gegen Netanyahu "keinen juristischen Grund" gebe, ihm das Mandat zur Regierungsbildung zu verweigern. Nach israelischem Recht muss ein Ministerpräsident erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung zurücktreten. Ein Minister muss sein Amt dagegen bereits abgeben, wenn Anklage erhoben wird. Wenn das Gericht gegen eine weitere Amtszeit des 70-Jährigen entschieden hätte, hätten die Israelis vermutlich zum vierten Mal seit April 2019 wählen müssen. Die Koalitionsvereinbarung von Likud und Blau-Weiß sei juristisch problematisch, hieß es in dem einstimmigen Urteil. Dennoch gebe es gegenwärtig keinen Grund für das Gericht, sich einzumischen. Gantz hatte den nun geschlossenen Pakt mit Netanyahu wegen der Korruptionsvorwürfe gegen den LikudChef lange verweigert. Dass er letztendlich doch einem Zusammengehen zustimmte, begründete Gantz vor allem mit der Corona-Krise. Man werde sich jetzt dem Kampf gegen das Virus widmen und sich um die Menschen in Israel kümmern, versprach er. Auch der Vorstand der Arbeitspartei hatte sich – trotz heftigem Widerstand von Knessetabgeordneten Merav Michaeli – für eine Regierungsbeteiligung entschieden A time to judge By joining with Benjamin Netanyahu, Benny Gantz made the impossible possible: A man who has been charged with serious crimes will form the next government and serve at its head, unless the High Court of Justice intervenes.(…) the prime minister himself spreads blood libels and advocates for a coup by judicial means(…) he appoints a justice minister who incites a civil revolt against the legal establishment or a public security minister who abandons the police force and the investigative agencies to the prime minister’s attacks. Netanyahu is reaping the fruits of his incitement against the judiciary, the police commissioner, the state prosecutor, the attorney general and everyone who dared to investigate and to prosecute him. This is a dangerous turnabout. Instead of the accused defending himself in a court of law, the court is asked to defend itself in the public arena against attacks from the defendant, who uses the power, status, resources and stage afforded to him by his office. The attempt 1
Heft
(2020) 9
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