Schlaglicht Israel Nr. 13/20 Aktuelles aus israelischen Tageszeitungen 1.-31. Juli Die Themen dieser Ausgabe 1. Schwere Polizeigewalt bei Protesten gegen die Regierung Netanyahus................................................................... 1 2. Schusswechsel an der israelisch-libanesischen Grenze............................................................................................ 6 3. US-Politologe Beinart plädiert für die Einstaatenlösung............................................................................................. 7 4. Medienquerschnitt......................................................................................................................................................... 10 1. Schwere Polizeigewalt bei Protesten gegen die Regierung Netanyahus Die weiter steigenden Zahlen von zum Teil über 2000 täglich neuen Corona-Infektionen, die Regierungsmaßnahmen und die hohe Arbeitslosigkeit führen immer mehr Menschen auf die Straße zum Protest gegen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. In Jerusalem ging die Polizei mit Wasserwerfern gegen die Demonstrant_innen vor. Lehrer_innen, Sozialarbeiter_innen und Freiberufler_innen sind die Corona-Schutzmaßnahmen und ihre wirtschaftlichen Folgen leid. Temporär legten auch Krankenschwestern ihre Arbeit nieder, um ihren Unmut kundzutun. Überall bei den landesweiten Kundgebungen vertreten ist die"Schwarze Flaggen Bewegung", ein spontaner Aufstand frustrierter Bürger ohne zentrale Organisation oder Führung. Ihre Forderung richtet sich direkt gegen Netanyahu, der von seinem Amt zurücktreten sollte. Der Druck wird mit dem gegen den Regierungschef laufenden Prozess erhöht. Netanyahu ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Er selbst bestreitet die Vorwürfe. Problematisch ist zudem, dass drei Monate nach Bildung der Regierungskoalition noch immer kein Haushalt verabschiedet wurde. Die Rücktrittsrufe kommen auch aus den Reihen des Parlaments. Oppositionsführer Yair Lapid warf Netanyahu vor, die Kontrolle verloren zu haben. Ein Rücktritt hätte nicht notwendig Neuwahlen zur Folge, meinte Lapid, der eine Notstandsregierung anvisiert. Netanyahu is quaking; a popular protest movement could topple him Less than a decade ago, in 2011, widespread socioeconomic protests that nobody had predicted erupted.(…) The leaders of that protest movement weren’t political figures. They were expressing their own feelings and those of people like them, and many people back then identified with their struggle. Benjamin Netanyahu, then as now prime minister, feared the protest movement’s popularity. He sought to make it go away by any possible means, and in the end, he set up the Trajtenberg Committee. Establishing this committee gradually slowed the protest movement until it disappeared completely. Today, too, in 2020, public pressure could undermine Netanyahu. This pressure has arisen both because of the coronavirus crisis and its impact on the economy and because of his own corruption, which has been revealed in all its ugliness and become impossible to hide. From a strategic standpoint, there are two things that could change the situation in Israel. One is Donald Trump being defeated in the U.S. presidential election in November. His downfall would be a blessing both for America and for the liberal democratic bloc in Israel. The second is a new socioeconomic protest movement, which this time would also hoist the banner of a war on corruption.(…) A widespread, nonpartisan protest movement that would combine the issue of economic distress with that of public corruption could definitely 1
Heft
(2020) 13
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