06. 2011 EDITORIAL Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Friedrich-Ebert-Stiftung, die letzten Wochen haben für die Palästinenser große internationale Aufmerksamkeit gebracht. Der Gang von Mahmud Abbas vor die Vereinten Nationen birgt für viele Palästinenser die Hoffnung, endlich volle internationale Anerkennung zu erfahren. Diese ist besonders im Hinblick auf den rechtlichen Status und den Handlungsspielraum der palästinensischen Führung interessant. Die internationalen Reaktionen variierten von Solidarität mit dem Antrag der Palästinenser von der Mehrheit der afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Staaten, bis hin zu starker Kritik durch die USA und Israel. Europa kam zu keiner einheitlichen Entscheidung im Sinne einer gemeinsamen und eindeutigen Nahostpolitik. Welche Zukunft dem Antrag auf vollwertige UN-Mitgliedschaft beschieden ist, bleibt abzuwarten. Besonders die Positionierung der neun nichtständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat, die im Januar wechseln, steht bislang nicht fest. Mit einer erfolgreichen Aufnahme als Vollmitglied rechnet jedoch kaum jemand. Nach der aktuellen Meinungsumfrage, die wir zusammen mit unserem Partner, dem Jerusalem Media and Communication Center, durchgeführt haben, ist die Mehrheit der befragten Palästinenser(51,2%) zufrieden mit der Entscheidung der palästinensischen Führung vor die Vereinten Nationen zu treten und nicht an den Verhandlungstisch zurückzukehren, so lange Israel keinen vollständigen Stopp des Siedlungsbaus vornimmt. Durch den Antrag auf Vollmitgliedschaft in den Vereinten Nationen ist das Ansehen der Fatah in der Bevölkerrung gestiegen. Den kürzlich erfolgten Deal zwischen Israel und der Hamas, im Zuge dessen der israelische Soldat Gilad Shalit und im Austausch für ihn mehr als tausend palästinensische Gefangene freigelassen wurden, feierten die Palästinenser als einen Erfolg. 85.6% der Befragten erachteten den Gefangenenaustausch als positiv, nur 4.1% werteten ihn als negativ. Weiteres wichtiges Ereignis der vergangenen Woche war das Treffen zwischen Präsident Mahmud Abbas von der Fatah und Khaled Mashaal, Chef des Politbüros der rivalisierenden Hamas, in Kairo. Die beiden Politiker diskutierten die Umsetzung des im Mai dieses Jahres geschlossenen Abkommens zur nationalen Aussöhnung. Eine nationale politische Einheit ist für die Stärke und Handlungsfähigkeit der Palästinenser entscheidend, konnte jedoch bisher vor allem wegen der Uneinigkeit über einen geeigneten Premierminister, der von beiden Seiten anerkannt wird, nicht erreicht werden. Diesen und weiteren Themen widmet sich die Umfrage des Jerusalem Media and Communication Centers, die wir Ihnen heute schicken. Viel Vergnügen bei der Lektüre! Mit den besten Grüßen aus Jerusalem Dr. Michael Bröning Direktor des Büros der Friedrich-EbertStiftung in Ost-Jerusalem Design: eryfoto Seite 1
Heft
(2011) 06. A public opinion poll conducted by the Jerusalem Media & Communications Centre
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten