Ausgabe 2/2024 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung WEITER DENKEN Prüfungskultur, aber zeitgemäß! Patricia Drewes Dynamik der Lernkultur – Statik der Prüfungskultur Entgegen aller Unkenrufe und Negativurteile über Schule offenbart ein Blick in Deutschlands Klassenzimmer, dass sich der Unterricht in den letzten zehn bis zwanzig Jahren durchaus verändert hat. Binnendifferenzierung und Individualisierung geben eine Antwort auf die Erkenntnis, dass Menschen unterschiedlich sind – und viele Schulen schaffen es, diese Unterschiede als für die Lernkultur bereichernd wahrzunehmen. Auch wenn lehrkraftzentrierte Unterrichtsformen nach wie vor, vor allem am Gymnasium, dominieren, arbeiten Schülerinnen und Schüler zunehmend in anderen Lernformen(Partner- und Gruppenarbeit, offene Unterrichtsforme wie Wochenplan-, Stationenarbeit oder Projektarbeit). Selbstständige Recherche und individuelle Lösungswege sind erlaubt, ebenso viel Wert legen viele Schulen auf die Ausbildung von Sozialkompetenz durch Kooperation und Peersysteme, Methoden wie Lernen durch Lehren und Projekte wie Service Learning und Compassion. Autor_in Patricia Drewes Wenn man als Zeitreisende eine Schule besuchte, würde man am ehesten Handlungssituationen, in denen Leistungsüberprüfungen erbracht werden, wiedererkennen: am Geruch der Angst, der frontalen Sitzordnung, der Isolation von Hilfsmitteln und anderen Menschen und dem Ankämpfen gegen die Zeit, als ginge es um ein Arbeiten mit der Stechuhr. Klassenarbeiten und Klausuren als Instrumente schriftlicher Leistungsüberprüfung haben sich in den letzten Jahrzehnten in den meisten Fächern in ihrem Kern kaum verändert. Interessant und fast schon symptomatisch ist dabei, dass sich auch die fachdidaktische Literatur insgesamt eher wenig mit dem Thema Prüfungen auseinandersetzt, so als solle der Ballast des Prüfens und Beurteilens einen stetig zu verbessernden Unterricht möglichst wenig belasten. Die Kultur der Digitalität ist in vielen Schulen Teil der Realität Die Coronapandemie bewirkte an vielen Schulen in Deutschland einen massiven Digitalisierungsschub. Was zunächst wirkte, als habe man einen Haufen Hardware mit dem Füllhorn über Schulen ausgegossen erwies sich in der Phase der anschließenden Sortierung und Adaption als Katalysator einer ohnehin fälligen Transformation. Das Lernen an, mit, über digitale Endgeräte hielt Einzug in Deutschlands Klassenzimmer, vereinfachte die Organisation von Lernprozessen, vergrößerte die Möglichkeiten zum individuellen Arbeiten und bereicherte die Erstellung von Lernprodukten in ihrer Vielfalt. arbeitet seit 2016 im Bereich Schulentwicklungsberatung und Lehrerfortbildungen und hat gemeinsam mit anderen Lehrkräften das Institut für zeitgemäße Prüfungskultur gegründet. https://pruefungskultur.de/ 1
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(2024) 2. Prüfungskultur, aber zeitgemäß!
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