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(2023) 4. Ungleiche Lebensbedingungen in Nordrhein-Westfalen
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Ausgabe 4/ 2023 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung WEITER DENKEN Ungleiche Lebens­bedingungen in Nordrhein-Westfalen Martin Hennicke Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat vor Kurzem ihren 3. Sozio­ökonomischen Disparitätenbericht 2023 veröffentlicht, der im Auftrag des Dortmunder Instituts für Landes- und Stadt­entwicklung(ILS) erarbeitet wurde 1 . Im Kern kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass sich auf­grund des vergangenen Wachstumsjahrzehnts die höchst unterschiedlichen Lebensbedingungen in Deutschland et­was angeglichen haben, dass diese Entwicklung aber auf­grund der Herausforderungen im jetzigenTransformations­jahrzehnt leider kein Selbstläufer ist 2 . In diesem Zusammenhang gibt die Studie Auskunft über die entsprechende Entwicklung im größten Bundesland Nord­rhein-Westfalen. Sie konzentriert sich hierbei auf die folgen­den Fragen: Wie sind Lebensqualität und Zukunftschancen in NRW räumlich verteilt? In welchen Regionen lebt es sich in diesem Bundesland besser oder schlechter und wie entwi­ckeln sich die Regionen zukünftig? 1 Gohla, Martin Hennicke: Ungleiches Deutschland. 3: Sozioökonomischer Disparitätenbericht 2023. Berlin 2023. 2 gl. auch den wissenschaftlichen Hintergrundbericht des ILS mit allen methodischen Erläuterungen zur Studie: Bastian Heider, Benjamin Scholz, Stefan Siedentop, Jaqueline Radzyk, Jutta Rönsch, Sabine Weck: Ungleiches Deutschland. 3. Sozioökonomischer Disparitätenbericht. Wissenschaftlicher Hintergrundbericht. Berlin 2023. Autor Dipl. Volkswirt Martin Hennicke, Ministerialdirigent a. D., war bis 2017 Abteilungsleiter Politische Planung in der Staatskanzlei des Landes NRW und arbeitet seitdem als Transformations­berater. NRW heute NRW ist ein stark verdichtetes undverstädtertes Bundesland, knapp die Hälfte aller Einwohner_innen wohnt in Großstädten. In diesen Städten gibt es aber sehr unterschiedliche Lebensperspek­tiven(vgl. Abb. 1 auf der Folgeseite). Da sind zunächst die dynamischen Städte an der Rheinschiene, nämlich Köln, Bonn, Leverkusen und Düsseldorf, dazu die Städtere­gion Aachen sowie Münster und Bielefeld. Sie zeichnen sich alle durch(bezogen auf den Bundesdurchschnitt) gute Verdienstmög­lichkeiten aufgrund eines überdurchschnittlichen Qualifikations­niveaus ihrer Bewohner_innen, zukunftsfähige Arbeitsmärkte, gute Infrastrukturausstattung und sehr gute Erreichbarkeit aus. Fast jede fünfte Person in Nordrhein-Westfalen lebt in diesen prosperieren­den Großstädten. Demgegenüber stehen 13 eher altindustrialisierte Kommunen mit anhaltenden Strukturproblemen. Hierzu zählen nach wie vor die Großstädte des Ruhrgebiets sowie die angrenzenden Städte Wup­pertal, Remscheid, Krefeld und Mönchengladbach. Dieser Raumtyp deraltindustrialisierten Städte mit strukturellen Herausfor­derungen(vgl. Abb. 1) leidet nach wie vor unter dem Niedergang ehemals bedeutender Industrien(Bergbau-, Schwer- und Textilin­dustrie) und ist gekennzeichnet durch hohe Armut und Arbeitslo­sigkeit, geringe Wahlbeteiligung und kommunale Überschuldung. Ein Viertel aller Menschen in NRW lebt in diesen Städten. NRW ist bundesweit nach wie vor trauriger Spitzenreiter bei diesem Raum­typ der altindustrialisierten Städte: Etwa zwei Drittel aller Personen, die in Deutschland in einer Stadt dieses Raumtyps leben, fallen auf dieses Bundesland.