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(2024) 6. Migrations-wer-wie-was? : Zur Notwendigkeit eines Wandels in Politik und Forschung
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Ausgabe 6/2024 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung WEITER DENKEN Migrations-wer-wie­was? Zur Notwendig­keit eines Wandels in Politik und Forschung Laura Dinnebier, Deniz Ogˇ uzhan Auf einen Blick Eine Kategorie viele Bezeichnungen Die Kategoriemit Migrationshintergrund spielt in der deutschen Bevölkerungs- und Bildungsstatistik eine zentrale Rolle, weist aber erhebliche methodische und politische Schwächen auf. Ursprünglich eingeführt, um migrationsbedingte Unterschiede und Ungleichheiten zu erfassen, vermischt es heute Menschen unterschiedlicher Generationen und Migrationserfah­rungen und fördert ethnisierte Abgrenzungen. Individuelle Teilha­bechancen und-barrieren, sowohl im Bildungsbereich als auch dar­über hinaus, bleiben dadurch weiterhin verdeckt. Eine kritische Auseinandersetzung mit derart künstlichen demografischen Kate­gorien ist daher unerlässlich gerade dann, wenn sie wie natürlich erscheinen. Gleichzeitig erfordert evidenzbasierte Politikgestaltung eine kontinuierliche Suche nach und Evaluation von präziseren Alternativen und deren Förderung. Schulen sind Orte der Superdiversität. Doch werden in Deutschland häufig Kategorien verwendet, die diese Vielfalt nicht adäquat ab­bilden können. Insbesondere die Kategoriemit Migrationshinter­grund spielt in der Bevölkerungsstatistik, aber auch in den Schul­statistiken nach wie vor eine zentrale Rolle. Laut Statistischem Bundesamt hat eine Person einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsan­gehörigkeit geboren wurde. Die Gruppe, die hier zusammengefasst wird bestehet also aus Deutschen und Ausländer_innen und ver­mischt auf diese Weise höchst heterogene Personengruppen: Sol­che, die in Deutschland geboren und im deutschen Bildungssystem aufgewachsen sind, mit jenen, die erst später im Leben nach Deutschland migriert sind und unmittelbare Migrationserfahrungen gemacht haben. Autor_innen Laura Dinnebier ist Politikwissenschaftlerin und wissen­schaftliche Mitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen mit dem Schwerpunkt Politische Repräsentation in pluralen Gesellschaften. In diesem Rahmen lehrt und forscht sie vorwiegend im Bereich der Integrations- und Migrationspolitikfor­schung und beschäftigt sich mit neuen Zugängen zur Erfassung migrationsbeding­ter Vielfalt. Im Jahr 2021 traf dies auf mehr als ein Viertel(27,3%) der deut­schen Gesamtbevölkerung zu. Besonders ausgeprägt war dieser Anteil im Bildungssektor, wo nach Hochrechnungen des Mikrozen­sus knapp 40% der Schüler_innen einen sogenannten Migrations­hintergrund hatten(Statistisches Bundesamt 2022). Eine Aufschlüs­selung nach Bundesländern ist jedoch kaum möglich, da die einzelnen Länder in ihren Schulstatistiken unterschiedliche Katego­rien für migrationsbedingte Vielfalt nutzen oder gar unterschiedli­che Definitionen und Operationalisierungen für die gleichen Begrif­fe verwenden. Eine Vergleichbarkeit ist praktisch nicht gegeben. Deniz Ogˇ uzhan 1 B.A., ist wissenschaftliche Hilfskraft am Arbeitsbereich für Politische Theorie und Demokratieforschung am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Reihenfolge der Autor_innen ist alphabetisch geordnet.