FES BRIEFING CÔTE D’IVOIRE Gewerkschaftsmonitor April 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Bis 1990 prägte die Côte d’Ivoire ein Einparteiensystem unter der Demokratischen Partei der Côte d’Ivoire( Parti Démocratique de Côte d’Ivoire, PDCI) mit engen Beziehungen zu Frankreich. Das autoritäre Erbe wirkt trotz Liberalisierung und Demokratisierung fort: Seit Abhaltung der ersten demokratischen Wahlen 1990 waren wichtige Parteien entweder ausgeschlossen, boykottierten die Wahl oder erkannten ihre Abwahl nicht an. Die Exekutive dominiert den politischen Prozess. Öffentliche Proteste werden regelmäßig nicht genehmigt und sind damit schwierig legal zu organisieren. Unter Präsident Laurent Gbagbo(2000–2011) eskalierten innere Konflikte und das Land war von 2002 bis 2011 in einen regierungskontrollierten Süden und einen rebellenbeherrschten Norden geteilt. Die seit 2011 amtierende Regierung unter Präsident Alassane Ouattara versteht sich als liberal und folgt in ihrer makroökonomischen Politik entsprechenden Grundsätzen. Allerdings sind viele politische Eliten gleichzeitig Unternehmer_innen und die Trennung politischer von privatwirtschaftlichen Interessen ist nicht immer gewahrt. Die Politik ist grundsätzlich eher arbeitgeberfreundlich und Gewerkschaften gegenüber wenig aufgeschlossen. Bereits seit den 1980er Jahren wurden viele Staatsunternehmen privatisiert und bedeutende Teile der öffentlichen Infrastruktur bzw. Dienste(Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Abfallwirtschaft etc.) sind überwiegend in privater Hand. Die Entwicklungsstrategie der Regierung setzt auf Kooperationen der öffentlichen Hand mit der privaten Wirtschaft( Public Private Partnerships, PPP) – als Alternative zu traditionell allein staatlich verantworteten und erbrachten öffentlichen Leistungen. Die Wirtschaft ist unter Ouattara konstant stark gewachsen, getrieben v. a. durch öffentliche Investitionen. Kredite wurden überwiegend bei privaten Gläubigern aufgenommen und die Verschuldung nähert sich – ein Jahrzehnt nach dem internationalen Teilschuldenerlass von 2012 – erneut kritischen Werten, Risiken bleiben nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds jedoch vorerst moderat. Das Verhältnis der Staatsausgaben zum Sozialprodukt liegt im regionalen Mittelfeld, die Regierung hat stark in öffentliche Güter investiert, insbesondere in Infrastruktur und Energiegewinnung(zu 30 Prozent in öffentlicher Hand). WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Die Côte d’Ivoire ist vor allem eine Agrarexportwirtschaft, wobei der Mineraliensektor an Bedeutung gewinnt. Sie ist historisch der weltweit größte Produzent von Rohkakao(der ca. 45 Prozent der Exporte 2022 ausmachte) und ein wichtiger Produzent von Kakaopaste und Kakaobutter, zudem in den letzten Jahren bedeutendstes Anbauland von Cashewnüssen. Weitere wichtige Exportgüter sind Kautschuk, Gold, Rohöl bzw. Treibstoffe, Baumwolle, Schokolade, Palmöl, Mang an und Tropenfrüchte. Seine Stellung als führender Robusta-Kaffee-Produzent hat das Land in den letzten Jahrzehnten verloren, insbesondere aufgrund zeitweilig stark gefallener Weltmarktpreise und somit unattraktiver Bedingungen. Im Rahmen der Wiederaufforstung der weitgehend in Plantagen umgewandelten Waldgebiete wird eine Teak- und Gmelina-basierte Forstwirtschaft gefördert. Der Hafen von Abidjan wickelt in der Regel einen großen Teil der Im- und Exporte Burkina Fasos ab und ist von regionaler Bedeutung. Die Côte d’Ivoire hat bis vor wenigen Jahren nur geringe Mengen Erdöl gefördert; seit der Entdeckung eines großen Vorkommens 2021 und seiner Erschließung steigt die Produktion aber deutlich an. Die Rohstoffe werden in begrenztem Maße lokal weiterverarbeitet. Die Industrie ist primär auf den Binnenmarkt ausgerichtet(Treibstoffe, Kochgas, Baustoffe, Plastikwaren, Lebensmittel, Reinigungsprodukte etc.). Für den internationalen Markt betreibt Barry Callebaut drei Werke zur Weiterverarbeitung von Kakao; Nestlé stellt lokal Instantkaffee her und die ivorisch dominierte SIFCA bereitet u. a. Palmöl, Kautschuk und Rohzucker auf. Die Regierung will die Industrialisierung fördern und hat in den letzten Jahren die Etablierung eines großen Industriegebiets am nördlichen Stadtrand Abid1
Jahrgang
2025
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