Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING SÜDSUDAN Gewerkschaftsmonitor April 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Der seit Juli 2011 unabhängige Südsudan ist eines der ärmsten Länder der Welt. Nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg zwischen der südsudanesischen Befreiungsarmee, der Sudan Peoples Liberation Army, und dem Regime in Khartoum sowie den mit ihm alliierten Milizen steht das Land wirtschaftlich, politisch und sozial vor immensen Herausforderungen. Das formal-demokratische politische System wird von einer Partei dominiert(one-party dominant system), der ehemaligen Befrei­ungsbewegung Sudan Peoples Liberation Movement(SPLM). unter massivem internationalem Druck ein weiteres Friedens­abkommen, das eine Beteiligung von Machar und anderer oppositioneller Gruppen an der Regierung sowie ihre Stär­kung im Parlament vorsieht. Doch erst im Februar 2020 konnten sich die Konfliktparteien auf die vorgesehene Übergangsregierung der nationalen Einheit einigen. An der erbitterten Rivalität zwischen der SPLM unter Präsident Kiir und der SPLM-in-Opposition(SPLM-IO) unter seinem Vize­präsidenten Machar wird dies allerdings nichts ändern. Erst 2024 sind Wahlen vorgesehen. Diese ethnisch untermauerte Rivalität und die anhaltenden gewaltsamen Auseinander­setzungen in vielen Teilen Südsudans verschlimmern die dramatischen sozialen und wirtschaftlichen Probleme Süd­sudans weiter. Die Förderung von Erdöl, dem mit Abstand wichtigsten Export­gut des Landes, war von Januar 2012 bis April 2013 eingestellt worden. Dem waren massive Streitigkeiten zwischen Südsu­dan und Sudan vorausgegangen, wie hoch die Gebühren sein sollten, die das Binnenland Südsudan für den Erdöltransport und-export durch Pipelines und Hafenanlagen des nördlichen Nachbarn zahlen sollte. Die Folge des Förderungsstopps waren massive Einbußen im Staatshaushalt(er bestand zuvor laut der südsudanesischen Zentralbank zu 98 Prozent aus den Erlösen des Ölgeschäfts), eine akute Devisenknappheit und Inflation. Nur wenige Monate nach Wiederaufnahme der Erdölförderung brachen im Dezember 2013 erneut gewalttäti­ge Auseinandersetzungen aus, diesmal zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Lager innerhalb der regierenden SPLM. Die von höchster Stelle initiierten Gewaltausbrüche in Juba und die darauffolgenden Kampfhandlungen und gewalttä­tigen Racheakte in weiten Teilen des Landes, vor allem im (ölfördernden) Norden und Nordosten, sind Ausdruck und Folge eines SPLM-internen Machtkampfes zwischen Präsident Salva Kiir, dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar und einer zunehmenden Anzahl weiterer, zum Teil regionaler politischer und militärischer(bis auf eine Ausnahme durch­weg männlicher) Führer. Nach zahlreichen gescheiterten Waffenstillstandsabkommen unterzeichneten Salva Kiir und Riek Machar im August 2015 WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Mehr als 80 Prozent der Deviseneinnahmen des Landes und mehr als 98 Prozent des Staatshaushalts beruhen laut der südsudanesischen Zentralbank auf den Öleinnahmen. Formale Beschäftigungsverhältnisse bestehen im Südsudan nahezu ausschließlich im öffentlichen Sektor sowie in internationalen Nichtregierungsorganisationen. Ein privater Sektor beginnt sich aufgrund des Bürgerkriegs erst langsam herauszubilden. Entsprechend groß ist der informelle Sektor, über dessen Ausmaß es allerdings keine verlässlichen Angaben gibt. Inlän­dische Produktionsprozesse beschränken sich im Wesentlichen auf die Landwirtschaft. Die Analphabetenrate gehört laut der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organi­zation(UNESCO) zu den höchsten der Welt; nur 27 Prozent der Erwachsenen sind des Lesens und Schreibens mächtig. Kinderarbeit ist weitverbreitet, vor allem in der Landwirt­schaft, gerade in der Viehhaltung. Ausländische Arbeitskräfte spielen in der Wirtschaft des Südsudans eine wichtige Rolle auch deshalb, weil das Qualifikationsniveau weiter Teile der Bevölkerung infolge des jahrzehntelangen Bürgerkriegs sehr niedrig ist. Dienst­leistungsbetriebe wie Hotels und Restaurants, aber auch die langsam steigende Zahl privater Banken und Versiche­rungen beschäftigen ebenso wie das Baugewerbe vielfach 1