Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING KOLUMBIEN Gewerkschaftsmonitor Mai 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Kolumbien ist aufgrund jahrzehntelanger Konflikte zwi­schen Guerillagruppen, Militärs, Paramilitärs und kriminellen Akteuren eines der gefährlichsten Länder für Gewerkschaf­ter_innen. Dennoch bieten jüngere Entwicklungen Hoff­nung: Das Ende des bewaffneten Konflikts mit der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) schuf Raum für die Diskussion sozialer Themen ohne Angst vor Verfol­gung. Unter Präsident Juan Manuel Santos(2010–2018) ver­besserten sich der Schutz von Gewerkschafter_innen und die Einhaltung internationaler Arbeitnehmer_innenrechte. Arbeitsminister_innen wie der ehemalige Bürgermeister Bo­gotás Luis Alberto»Lucho« Garzón und Clara López förder­ten den Dialog mit Gewerkschaften. Die Zeit der Annähe­rung an die Regierung endete allerdings 2017, als mit Gri­selda Janeth Restrepo Gallego(Partido Liberal) eine Arbeits­ministerin antrat, die eine kritische Haltung gegenüber den Gewerkschaften einnahm. Unter Präsident Iván Duque(2018–2022) kam es ab 2019 zu massiven sozialen Protesten, an denen Gewerkschaften mit landesweiten Streiks maßgeblich beteiligt waren. Das dar­aus entstandene Streikkomitee blieb auch während der Co­rona-Pandemie ein zentraler politischer Akteur, obwohl die Regierung den Dialog 2020 einstellte. Pandemiebedingte Arbeitsmarktmaßnahmen kamen spät, waren unzureichend und richteten sich hauptsächlich an formal Beschäftigte. Besonders betroffene Sektoren wie Hausangestellte, die einen Beschäftigungsrückgang von 44 Prozent erlebten, wurden weitgehend ausgeschlossen. Das Streikkomitee legte Gesetzesvorschläge vor, doch diese wurden im Kongress nicht rechtzeitig behandelt. 2021 führten Pläne zur Steuerreform erneut zu landeswei­ten Massenprotesten. Neben etablierten Organisationen nahmen vor allem unorganisierte Teile der Gesellschaft und viele junge Menschen teil. Die monatelangen Proteste wur­den mit extremer Militär- und Polizeigewalt niedergeschla­gen: 106 Fälle sexueller Gewalt, 1.929 Verletzte(darunter viele mit irreparablen Augenverletzungen), 343 Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger_innen, 3.546 willkürliche Fest­nahmen und 89 Tote wurden dokumentiert. Trotz Vermittlungsversuchen von Gewerkschaften, der Ka­tholischen Kirche, den Vereinten Nationen und Oppositions­politiker_innen blieb die Regierung Duque autoritär und ver­weigerte jegliche Zugeständnisse. Mitunter als Ergebnis der Proteste von 2019 und 2021 konn­ten Gustavo Petro und sein Bündnis Pacto Histórico die Wahlen 2022 für sich entscheiden. Damit wird Kolumbien erstmals von einem linken Präsidenten regiert. Die vom Streikkomitee ausgearbeiteten arbeitsmarktpoliti­schen Vorschläge spielten im Wahlkampf eine zentrale Rolle und wurden sowohl vom Pacto Histórico als auch von der Coalición Centro Esperanza aufgegriffen. Beide progressi­ven Wahlbündnisse wurden von den Gewerkschaften unter­stützt. Mit Gloria Inés Ramírez stand bis Februar 2025 erstmals ein Mitglied der Kommunistischen Partei Kolumbiens an der Spitze des Arbeitsministeriums in Petros Regierungskoalition. Ramírez trat jedoch im Rahmen einer umfassenden Kabi­nettsumbildung zurück, die Präsident Petro initiiert hatte, um die Regierung stärker auf den Nationalen Entwicklungs­plan auszurichten. Trotz anfänglicher Hoffnungen auf be­deutende Reformen sieht sich die Regierung Petro mit er­heblichen Herausforderungen konfrontiert. Die Umsetzung des Friedensabkommens von 2016 mit den FARC schreitet nur langsam voran, und die Initiative für ei­nenUmfassenden Frieden stagniert. Seine Zustimmungs­werte sind auf etwa 34 Prozent gesunken, bedingt durch den Zerfall seiner Regierungskoalition, Skandale im Umfeld 1