Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING NIGERIA Gewerkschaftsmonitor April 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Die neue Regierung unter Präsident Bola Ahmed Tinubu, die ihre Arbeit im Mai 2023 begann hat viele Nigerianer_innen enttäuscht. Weder bei der Korruptionsbekämpfung noch bei der wirtschaftlichen Entwicklung konnten bisher ent­scheidende Fortschritte erzielt werden. Gleich zu Beginn der Amtszeit Tinubus wurden weitreichende Wirtschaftsrefor­men verabschiedet, die aktuell und auch weiterhin die öf­fentliche Debatte und den Lebensalltag vieler Menschen im Land bestimmen. Tinubu von der All Progressives Congress(APC) Partei hatte die Wahlen am 25. Februar 2023 gewonnen. Laut offiziel­lem Ergebnis konnte er 36,61 Prozent bzw. etwa 8,8 Millio­nen Stimmen auf sich vereinen. Seine stärksten Widersa­cher, Atiku Abubakar von der Peoples Democratic Party (PDP) sowie Peter Obi von der Labour Party(LP), erhielten 29,07 bzw. 25,4 Prozent der Stimmen, Rabiu Kwankwaso von der New Nigeria Peoples Party(NNPP) kam auf 6,23 Prozent. Gemäß der nigerianischen Verfassung genügt im ersten Wahlgang die einfache Mehrheit der Stimmen, so­lange der oder die betreffende Kandidat_in in mindestens zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten und der Hauptstadt Ab­uja 25 Prozent der Stimmen erhält ein Kriterium, das Tinu­bu laut den offiziellen Zahlen erfüllt. Es ist das erste Mal in der Vierten Republik, dass der gewählte Präsident weniger als 50 Prozent der Stimmen erhielt. Die Wahlbeteiligung fiel mit rund 27 Prozent allerdings noch niedriger aus als 2019 (34,75 Prozent). Obwohl die Opposition die Ergebnisse der Wahl anzweifelte, lässt sich konstatieren, dass Peter Obi mit seinem Wechsel zur LP im Sommer 2022 das nigerianische Zweiparteiensys­tem erschütterte. Seit 1999 regierten entweder die PDP (1999–2015) oder der APC(seit 2015); bei den letzten Wah­len 2019 erhielt der»drittbeste« Kandidat kaum mehr als 100.000 Stimmen und die ursprünglich mithilfe der nigeriani­schen Gewerkschaftsbewegung gegründete LP kam gerade einmal auf 0,02 Prozent. Dem folgte jedoch ein beispielloser Aufstieg: Der seit seiner Zeit als Gouverneur von Anambra (2006–2014) als sparsam und gewissenhaft geltende Obi wurde spätestens seit seinen positiven Aussagen zu den #EndSARS-Protesten 2020, bei denen sich vor allem die jun­ge Mittelschicht gegen Polizeiwillkür zur Wehr setzte, zum »Helden der Jugend«. Seine Anhänger_innen mobilisierten landesweit vor allem über die sozialen Netzwerke. Große Tei­le der Zivilgesellschaft standen ebenfalls hinter seiner Bewer­bung. Trotz seiner eher neoliberalen Ansichten gelang es ihm, auch die Unterstützung der großen Gewerkschaftsver­bände Nigeria Labour Congress(NLC) und Trade Union Con­gress(TUC) zu erlangen; der NLC empfahl seinen offiziell vier Millionen Mitgliedern sogar erstmals seit 1992 einen Kandi­daten zur Wahl. Diese breite Basis ermöglichte letztlich sein beeindruckendes Ergebnis mit über sechs Millionen Stimmen, davon über 60 Prozent in der Hauptstadt Abuja und mit ei­nem kaum für möglich gehaltenen Sieg in Tinubus Heimat­staat Lagos. In elf von 36 Staaten wurde die LP stärkste Par­tei bei den Präsidentschaftswahlen. WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Nigeria ist mit über 230 Millionen Einwohner_innen das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas. Seinen Rang als größte Volkswirtschaft verlor es 2022 an Südafrika und ran­gierte seitdem hinter Ägypten und Algerien auf Platz vier, mit einem Bruttoinlandsprodukt(BIP) von ca. 253 Mrd. Dol­lar. Seit dem Ende der Corona-Pandemie verzeichnet das Land allerdings ein jährliches Wirtschaftswachstum zwi­schen 3 und 5 Prozent. Dabei sorgte vor allem der Nicht-Öl­Bereich für das Wachstum, während das Öl-BIP zeitweise einbrach und Angola Nigeria als größter Ölproduzent Afri­kas zweitweise abgelöste. Derzeit ist Nigeria allerdings wie­der auf Platz 1. Laut dem nationalen Statistikbüro wurden im Jahr 2024 17,22 Prozent des BIP in der Landwirtschaft, 24,40 Prozent in der Industrie und 58,38 Prozent im Dienst­leistungssektor erwirtschaftet. Das Pro-Kopf-BIP Nigerias lag nach IMF-Daten 2023 bei 2.416,36 US-Dollar. Das Wirt­1