Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING CHILE Gewerkschaftsmonitor Juli 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND ­SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Seit einem halben Jahrhundert hält Chile an einem in der Pinochet-Diktatur eingeführten Modell der Arbeitsbeziehun­gen fest, dass zwar in wichtigen Aspekten reformiert wurde, aber immer noch die Macht gewerkschaftlicher Akteure ein­schränkt. Rechtsformen wie die»Multirut« die Möglichkeit, Unternehmen in verschiedene Rechtspersönlichkeiten aufzu­teilen haben neben weiteren Faktoren zum Stagnieren des gewerkschaftlichen Organisationsgrades und zur Fragmen­tierung der Gewerkschaftsbewegung geführt. Aufeinanderfolgende demokratische Regierungen haben in den letzten Jahrzehnten mit Reformen unter anderem für ei­ne Verkürzung der Arbeitszeit, eine Erhöhung des Mindest­lohns, die Einführung einer Arbeitslosenversicherung, die Einschränkung von Kündigungen, die Verbesserung der ar­beitsgerichtlichen Verfahren und die Stärkung des Streik­rechts gesorgt. Obwohl der erste Verfassungsprozess wich­tige Änderungen zur Stärkung des Sozialschutzes und der Arbeitnehmerrechte enthielt, liegen diese Fortschritte durch die Ablehnung dieses Verfassungsentwurfs auf Eis. Die der­zeitige öffentliche Debatte dreht sich primär um die innere Sicherheit und Wirtschaftsthemen. In der aktuellen Regierungsperiode des progressiven Präsi­denten Gabriel Boric nehmen arbeits- und sozialpolitische Themen einen wichtigen Stellenwert ein, wobei die Verkür­zung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden, die Stärkung der Arbeitslosenversicherung und die Reform des Renten­systems hervorzuheben sind. Ein Gesetzentwurf zur Einfüh­rung von sektoralen Tarifverhandlungen wurde ebenfalls angekündigt, aber zu Beginn des vierten und letzten Regie­rungsjahres gibt es keine eine reale Chance, dass es zur Be­ratung im Kongress vorgelegt wird. Im Bereich der Arbeitspolitik wurden mehrere Programme ge­stärkt, um das Beschäftigungsniveau von jungen Menschen und Frauen zu erhöhen, die während der Corona-Pandemie stark betroffen waren. In diesem Sinne zielen kürzlich verab­schiedete Gesetze darauf ab, neue Akteure in den Arbeits­markt zu integrieren und die Arbeitsbedingungen für LGB­TIQ+ und für Menschen im Autismus-Spektrum zu sichern. Ein weiterhin bestehendes Problem ist die Formalisierung von Arbeitsverhältnissen im digitalen Dienstleistungssektor. Ein entsprechendes Gesetz, das Unternehmen dazu ver­pflichtet, Arbeitsverträge mit unabhängigen Arbeitnehmer_ innen(Dienstleister_innen) oder abhängigen Arbeitnehmer_ innen zu schließen, wenn dies von einem Arbeitsgericht be­schlossen wird, wurde kürzlich verabschiedet. Unternehmen kündigten an, gegen dieses Gesetz rechtlich vorgehen zu wollen. Die Gesamtzahl dieser Arbeitnehmer_innen beläuft sich auf ca. 221.000, fast 2,5 Prozent der gesamten er­werbstätigen Bevölkerung des Landes. WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Chile ist nach wie vor ein Bergbauland, das Rohstoffe aus­beutet und exportiert. Jahrzehntelang war die Kupferindust­rie der wichtigste Industriezweig des Landes. Im Jahr 2022 wurde diese von staatlichen Einnahmen aus Lithiumabbau­verträgen abgelöst, was jedoch nur ein Jahr währte, bevor Kupfer wieder zur Haupteinnahmequelle des Staates wurde. Im April 2023 wurde die nationale Lithiumstrategie vorge­stellt, die neben der Gewinnung des Minerals auch Maßnah­men zu dessen Verarbeitung in Komponenten und Batterien zur Steigerung der Wertschöpfung vorsieht. 2024 folgte dann ein Vertrag zwischen dem staatlichen Unternehmen Codelco und dem privaten Unternehmen SQM über den Lit­hiumabbau im größten Salzsee der Welt und die Ausschrei­bung für weitere kleinere Salzseen. Des Weiteren besteht ein enormes Entwicklungspotenzial im Ausbau erneuerbarer Energien, wie Solar- und Windenergie oder der Produktion grünen Wasserstoffs. Um der wachsenden internationalen Nachfrage nachzukommen, bedarf es jedoch politischer Weichenstellungen und Investitionen. Weitere starke Wirt­schaftszweige in Chile sind der Dienstleistungssektor, z. B. 1