Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING GHANA Gewerkschaftsmonitor Juli 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND ­SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Seit Beginn der sogenannten Vierten Republik des demokra­tischen Ghana im Jahr 1992, zeichnet sich das Land durch ein stabiles politisches System aus. Der politische Wettbe­werb in Ghana findet vornehmlich zwischen der Mitte-­Rechts Partei New Patriotic Party(NPP) und der Mitte-Links Partei National Democratic Congress(NDC) statt. Kleinere Parteien spielen keine signifikante Rolle. Gewerkschaften, so insbesondere der Dachverband Ghana Trades Union Con­gress(GTUC) mit aktuell ca. 500 000 Mitgliedern und 21 Mitgliedsgewerkschaften, stellen die wichtigste Vertretung der Arbeiter_innen in Ghana dar. Sie treten überparteilich in der politischen Auseinandersetzung auf, obgleich viele Füh­rungskräfte beispielsweise im GTUC oder den Einzelgewerk­schaften auch an den beiden großen Parteien orientierte politische Präferenzen in die gewerkschaftliche Arbeit hin­eintragen und damit ein gewisses politisches Konfliktpoten­zial innerhalb der Gewerkschaftsbewegung vorhanden ist. Die letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen fanden Ende 2024 statt. Dabei gewann John Dramani Mahama, Kandidat der Oppositionspartei NDC, mit deutlichem Vor­sprung die Präsidentschaftswahlen. Gleichzeitig errang der NDC bei den Parlamentswahlen eine Zweidrittelmehrheit der Sitze im Parlament. Dieser Erdrutschsieg der Oppositionspar­tei ist auf eine bis ins Lager der NPP reichende Unzufrieden­heit mit der seinerzeitigen Regierung unter Präsident Nana Akufo-Addo zurückzuführen, dessen Regierungenzeit zu­letzt nicht nur von einer dramatischen Wirtschaftslage ge­prägt war, sondern auch von unzähligen Korruptionsskanda­len überschattet wurde. Das politische Klima in Ghana ist durch die Auseinanderset­zung der beiden großen Parteien geprägt, ohne dass dies un­bedingt zu ideologischen Auseinandersetzungen der politi­schen Akteure führt. Dennoch sind unterschiedliche Ansätze insbesondere bei wirtschaftspolitischen Konzepten erkenn­bar. Während die NPP eher wirtschaftsliberale Ansätze ver­folgt, können die Ideen des NDC als eher staatsinterventio­nistisch bezeichnet werden. So versucht die neue Regierung unter J. Mahama eine 24-hour economy aufzubauen, was im Grunde einer Industrialisierung der Produktion im Drei-Schich­ten-Modell entspricht. In anderen Bereichen ähneln sich die politischen Konzepte der beiden Parteien stark. So verspra­chen beide Parteien im Wahlkampf ein kostenloses erstes Jahr für Studierende an den Universitäten und Hochschulen im Lande. Präsident Mahamas 24-hour economy zielt auf eine Industri­alisierung und Ausweitung der Produktionskapazitäten der Unternehmen. Das Konzept setzt vor allem auf den Export der so produzierten Waren in die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten(Economic Community of West Af­rican States, ECOWAS) und auf die sich abzeichnenden neu­en Absatzmärkte der Afrikanischen Kontinentalen Freihan­delszone(African Continental Free Trade Area, AfCFTA). Die neue Regierung hat die Stabilisierung der Landeswäh­rung Ghanaischer Cedi(GHS) weiter vorangetrieben. Aller­dings haben die Maßnahmen zu einer deutlichen Aufwer­tung des GHS gegenüber US-Dollar und Euro geführt(ca. 30 Prozent seit Mai 2025), so dass exportierende Produzenten akut gefährdet sind, da ihre Produkte nun nicht mehr kon­kurrenzfähig hergestellt werden können. Die Regierung hofft jedoch auf eine Stabilisierung bzw. gar einen Rück­gang der Konsumgüterpreise(ca. 90 Prozent dieser werden importiert) und damit einen deutlichen Rückgang der Infla­tion(im Mai 2025 bei ca. 18 Prozent). WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Ghana befindet sich weiterhin in einer ökonomischen Krise, die seit der Covid-Pandemie anhält. Seit Beginn des russi­schen Angriffs auf die Ukraine und der weltweit steigenden Energiepreise hatte sich die Situation im Land noch einmal deutlich verschlechtert. Die hohe Verschuldung Ghanas hat dazu geführt, dass das Land jüngst das 17. Schuldenrestruk­1