FES BRIEFING DÄNEMARK Gewerkschaftsmonitor August 2020 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Aus der Parlamentswahl im Juni 2019 ging die sozialdemokratische Partei Dänemarks(Socialdemokraterne – Sozialdemokraten) trotz leichter Verluste gegenüber 2015 als stärkste Partei hervor und löste die seit 2015 amtierende konservativ-liberale Minderheitsregierung ab. Mit Duldung durch die kleineren linken Parteien, der Socialistisk Folkeparti, Enhedslisten – De Rød-Grønne und Radikale Venstre, wurde von den Sozialdemokraten unter Führung ihrer Parteivorsitzenden Mette Frederiksen eine Minderheitsregierung gebildet. Der Regierungswechsel wurde möglich, da neben dem Nettostimmengewinn der kleineren linken Parteien von 4,3 Prozent vor allem die rechtspopulistische Dänische Volkspartei (O) massiv an Zustimmung verloren hatte. Gegenüber ihrem Rekordergebnis 2015 von 21,1 Prozent sank die Partei auf nur 8,7 Prozent. Ihrer Stützpartei verlustig, verlor die liberal-konservative Regierung trotz eines verbesserten Wahlergebnisses infolgedessen die Regierungsmacht. Der Erfolg des»roten Blocks« und der Absturz der Dänischen Volkspartei ist Ausdruck eines historischen Präferenzwandels: entgegen früheren Wahlen rangierte das Thema Einwanderung und Integration in den öffentlichen Umfragen nur auf Platz drei, während Klima- und Umweltpolitik erstmalig den ersten Platz einnahmen. Renten- und Gesundheitspolitik lagen auf Platz zwei. Während die liberal-konservative Regierung Klima- und Umweltpolitik nur in Einklang mit den anderen EU-Mitgliedstaaten für sinnvoll hielt, traten die Sozialdemokraten gemeinsam mit den anderen Parteien des»roten Blocks« für eine ambitionierte Klima- und Umweltpolitik an. Die Sozialdemokraten streben an, dass Dänemark durch die Förderung umweltfreundlicher Technologien zur»grünen Großmacht« sowie bis 2050 klimaneutral werde. Hierzu beabsichtigen sie u. a. einen»grünen Zukunftsfond« in Höhe von 20 Milliarden DKK(3,35 Milliarden Euro) aufzulegen. Wie auch die Gewerkschaften, versteht die sozialdemokratische Regierung den Übergang in eine emissionsarme Wirtschaft und Gesellschaft als Voraussetzung dafür, auch in Zukunft einen starken sozial inkludierenden Wohlfahrtsstaat finanzieren zu können. Hierzu sei es aus Sicht der Gewerkschaften unerlässlich, die dänische Wirtschaft mittels Technologie- und Kompetenzentwicklung zu modernisieren und neue Exportmärkte zu erschließen. Auch wenn sie in der Zielsetzung übereinstimmen, fordern die Gewerkschaften aber darüber hinaus, dass Klimaschutzmaßnahmen und das jährlichen Gesamtklimaprogramm stets auf die Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt hin geprüft werden müssen. Neben einer ambitionierten Klima- und Umweltpolitik hatten sich die Sozialdemokraten unter Mette Frederiksen zudem klar für eine Stärkung des Wohlfahrtstaates ausgesprochen. Bereits bei der Parlamentseröffnung 2018 gab sie das Motto »sætte velfærd først«(setzt Wohlfahrt an erster Stelle) aus. Mit der Rückbesinnung auf eines ihrer traditionellen Kernthemen, traten die Sozialdemokraten vor allem in Konkurrenz zur Dänischen Volkspartei, die, neben ihrer einwanderungskritischen Politik, eine weitgehend traditionell sozialdemokratische Sozialpolitik vertritt. Wie von den Gewerkschaften seit längerem gefordert, kündigten die Sozialdemokraten im Wahlkampf an, den Renteneintritt für Arbeitnehmende in körperlich stark beanspruchenden Berufen zu erleichtern. Entgegen dem Sparkurs der liberal-konservativen Regierung will die sozialdemokratische Minderheitsregierung zudem in das Bildungssystem und das Gesundheitswesen investieren. Dies wird von den Gewerkschaften deutlich begrüßt, die vor allem mehr Investitionen bei der Qualifizierung von Menschen am Rande des Arbeitsmarktes fordern. Die Mittel für die von ihnen beabsichtigten Maßnahmen, wollen die Sozialdemokraten durch eine Erhöhung der Aktien-, Erbschaftsund Bankensteuer sowie die Einführung einer EU-Finanzsteuer generiert. Während die sozialdemokratische Minderheitsregierung bei ihrer Sozialpolitik auf die Unterstützung der Gewerkschaften und Parteien des»roten Blocks« zählen kann, divergieren die Positionen in der Einwanderungs- und Integrationspolitik. Seit ihrem Parteitag 2017 haben sich die Sozialdemokraten in 1
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