FES BRIEFING FRANKREICH Gewerkschaftsmonitor Juli 2019 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Zwei Jahre nach der Wahl Emmanuel Macrons zum Staatspräsidenten wirken die daraus resultierenden Umwälzungen in Politik und Gesellschaft Frankreichs nach. Die politische Landschaft wird von den Parteien der Kandidaten der Stichwahl 2017 – Emmanuel Macrons La République en Marche(LRM) und Marine Le Pens Rassemblement National(RN) – dominiert. Während der RN die(rechts)populistischen Wähler weiter anzieht, macht sich LRM in der Mitte breit und drängt die etablierten Parteien an die politischen Ränder. Links steht die sozialistische Partei(PS) in Konkurrenz zu den Grünen, weiteren Mitte-Links-Parteien und Jean-Luc Mélenchons LFI. Zur Mitte hin kann sie nur langsam enttäuschte Macron-Wähler zurückgewinnen. In der Folge hat sie ihren traditionellen Führungsanspruch im heute äußerst zersplitterten linken Lager verloren und muss sogar um ihr Überleben bangen. Auf der anderen Seite wird den konservativen Republikanern(LR) gleichzeitig von der LRM und der rechtsradikalen RN das Wasser abgegraben. Dies alles geschieht vor dem Hintergrund einer allgemeinen Unzufriedenheit und Enttäuschung der Bevölkerung gegenüber den politischen Institutionen und der Repräsentativität des politischen Systems. Der enorme Vertrauensverlust in die politische Handlungsfähigkeit der etablierten Parteien erklärt nicht nur die Wahl Emmanuel Macrons, sondern auch seine bisherige Strategie der Umgehung intermediärer Institutionen (Gewerkschaften, Vereine, lokale Amtsträger, Medien) und der direkten Ansprache des Volkes. Diese Umgehung intermediärer Organisationen erwies sich für Macron jedoch als Bumerang, der in Form von massiven, sich über Wochen hinziehenden und ohne Beteiligung intermediärer Institutionen sich organisierenden Protesten der sog.»Gelbwesten« auf ihn und seine Politik zurückfiel. Die Gelbwesten fordern als Reaktion auf die von ihnen beklagten Repräsentativitätsdefizite unter anderem die Einführung von Instrumenten direkter Demokratie und einen wirtschafts- und sozialpolitischen Kurswechsel der Regierung. Die von ihnen ausgelöste politische Krise hat die tiefen sozialen Verwerfungen in der französischen Gesellschaft wieder offen zu Tage treten lassen. Dabei hat die technokratische Modernisierungspolitik von Präsident Macron und seiner Regierung sowohl den Nährboden bereitet als auch mit der sozial nicht abgefederten Erhöhung der CO2-Steuer den Anlass geliefert für diesen vehementen Ausbruch seit Jahren schwelender Unzufriedenheit. Im Mittelpunkt der Kritik steht vor allem Macrons Haushalts- und Steuerpolitik, die durch die Abschaffung der Vermögenssteuer und die Einführung eines einheitlichen Satzes bei der Abgeltungssteuer zu einer einseitigen Entlastung des reichen Teils der Gesellschaft um mehrere Milliarden Euro geführt hat. Weniger umstritten ist dagegen seine liberale Arbeitsmarktpolitik(Flexibilisierung des Arbeitsrechts, Streichung von subventionierten Arbeitsplätzen und Einsparung bei der Arbeitslosenversicherung), deren Folgen in einigen Bereichen durch sozial- und bildungspolitische Gegenmaßnahmen ausbalanciert, jedoch in anderen Bereichen durch Kürzungen beim Sozialstaat verschärft werden. Als Reaktion auf die Gelbwesten-Bewegung versuchte die Regierung, einerseits mit der Organisation einer landeweiten Bürgerdebatte über Reformen und andererseits der Einführung eines milliardenschweren Programms zur Steuerentlastung der Bürger und zur Stärkung der Daseinsvorsorge diesem Negativtrend entgegen zu steuern. WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Für das Jahr 2019 wird eine Wachstumsrate von 1,3 % prognostiziert. Dies ist weniger als in 2018(1,7 %) und vor allem in 2017(2,4 %). Damit wird die globale Abkühlung der Wirtschaftslage in Frankreich bestätigt, wobei das Wachstum immerhin deutlich höher als in den Flautejahren von 2012 bis 2016 ist und für 2019 auch leicht über den Prognosen für den Euroraum-Durschnitt(1,3 %) liegt. Ironischerweise ist diese vergleichsweise etwas bessere Prognose teilweise auf einen Schub der Binnennachfrage zurückzuführen, der vom im Zuge 1
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2019
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