FES BRIEFING LIBYEN Gewerkschaftsmonitor März 2024 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Seit 2011 durchlebt Libyen eine komplexe und instabile politische Situation. Im Jahr 2011 erhoben sich die Menschen in Libyen vor dem Hintergrund des sogenannten Arabischen Frühlings gegen das Regime von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi. Unterstützt von einer internationalen Koalition, gelang es den Rebellen, Gaddafi zu stürzen und das Regime zu beenden. Nach Gaddafis Sturz brach ein Machtkampf zwischen unterschiedlichen politischen und bewaffneten Gruppen aus. Es bildeten sich rivalisierende Milizen und bewaffnete Fraktionen, die um Einfluss und Kontrolle kämpften. Eine einheitliche Regierung konnte sich hingegen nicht etablieren, das Land versank in Chaos und Gewalt. Im Jahr 2014 wurden Wahlen abgehalten, deren Ergebnis jedoch von vielen Gruppen nicht anerkannt wurde. Stattdessen spaltete sich das Land in zwei rivalisierende Regierungen: die international anerkannte Regierung der Nationalen Einheit(GNA) in Tripolis und die sogenannte Libysche Nationalarmee(LNA) unter Führung von General Chalifa Haftar im Osten des Landes. Diese beiden Regierungen und ihre jeweiligen Verbündeten kämpften um die Kontrolle über Libyen. Führung von Premierminister Abdul Hamid Dbeiba gebildet, um das Land auf Neuwahlen vorzubereiten. Diese ursprünglich für Dezember 2021 geplanten Wahlen fanden bislang jedoch nicht statt. Vordergründig können sich die unterschiedlichen Fraktionen nicht auf ein Wahlgesetz und die Bedingungen der Kandidatenauswahl für das Präsidentenamt einigen, tatsächlich haben jedoch viele politische Gruppen, wie auch Premierminister Dbeiba und Parlamentssprecher Aguila Saleh, wenig Interesse an Wahlen. Stattdessen verteidigen sie den Status quo und bleiben damit weiter an der Macht. Die politische Lage bleibt auch deswegen fragil. Die Sicherheitslage im Land ist unsicher und bewaffnete Gruppen konnten ihren Einfluss weiter zementieren. Es besteht keine Rechtssicherheit im Land; auch die Regierung in Tripolis kann ihre Entscheidungen und Gesetze nur eingeschränkt umsetzen. Menschenrechte, insbesondere für Migrant_innen, werden regelmäßig verletzt. Organisationen der Zivilgesellschaft werden zum Teil massiv eingeschränkt oder durch Behörden verfolgt. Das libysche Parlament(House of Representatives, HoR) verabschiedet kaum neue Gesetze. Es gibt einen erheblichen Reformstau und teilweise gelten weiterhin Gesetze aus der Zeit der Diktatur. Zahlreiche Institutionen sind zwischen Ost und West gespalten. Die Wiedervereinigung des Landes und der Aufbau einer stabilen Regierung bleiben große Herausforderungen für die Zukunft Libyens. Die Situation wurde zunehmend komplexer, nachdem auch ausländische Mächte – darunter Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und die Türkei – begannen, in den Konflikt einzugreifen und verschiedene Fraktionen zu unterstützen. Auch europäische Länder wie Italien und Frankreich spielen in Land und Konflikt eine Rolle. Der Konflikt entwickelte sich zunehmend zu einem Stellvertreterkrieg, bei dem verschiedene ausländische Akteure ihre Interessen verfolgten. Im Jahr 2020 wurde ein politischer Durchbruch erzielt, als sich die rivalisierenden Parteien auf einen Waffenstillstand einigten und Gespräche unter UN-Vermittlung begannen. Im Februar 2021 wurde eine Übergangsregierung(GNU) unter WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Libyen ist eine Rentenökonomie, die maßgeblich auf der Produktion und dem Verkauf von fossiler Energie und deren Nebenprodukten basiert. Jenseits des Erdölsektors, der ca. 97 Prozent der libyschen Wirtschaftsleistung ausmacht, hat Libyen keine nennenswerte Industrieproduktion. Der Öl- und Gassektor dominiert die Wirtschaft in Libyen. Dessen Einnahmen machten in den letzten zehn Jahren 81 Prozent der Staatseinnahmen aus. Ende 2021 gehörte Libyen mit drei Prozent der weltweit nachgewiesenen Vorkommen zu den zehn Ländern mit den größten Erdöl- und Erd1
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2024
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