FES BRIEFING NORDMAZEDONIEN Gewerkschaftsmonitor Mai 2019 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN Nach über zehn Jahren in der Opposition, die gegen Ende durch eine turbulente Protestperiode von drei Jahren(2014– 2016) gekennzeichnet waren, bildeten die Sozialdemokraten (SDSM) am 1. Juni 2017 die neue Regierung. Die sozialdemokratisch geführte Regierung um Premierminister Zoran Zaev konzentrierte ihre Arbeit vorrangig auf den Bereich Außenpolitik. Es gelang ein bilaterales Freundschaftsabkommen mit Bulgarien und ein historisches Abkommen zur Lösung der Namensfrage mit Griechenland abzuschließen. Letzteres brachte die Änderung des Verfassungsnamens in Republik Nordmazedonien mit sich. Die Beilegung des Namensstreits mit Griechenland ermöglicht nicht nur den vorraussichtlich 2020 abgeschlossenen Beitritt zur NATO, sondern stellt Nordmazedonien, das seit 2005 Beitrittskandidat ist, auch den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit der EU in Aussicht. Die Europäische Kommission hatte bereits 2016»dringende Reformprioritäten« identifiziert, die sich vor allem auf die Justiz, Rechtsstaatlichkeit, Reformen der öffentlichen Verwaltung, Medienfreiheit und Meinungsfreiheit beziehen. Die amtierende Regierung hat die dafür nötigen Prozesse angestoßen, jedoch benötigt die Umsetzung noch Zeit. Wie in Nordmazedonien üblich entschieden sich die Sozialpartner den außenpolitischen Fokus der Regierung nicht zu kommentieren. Es wurde jedoch positiv bewertet, dass die Regierung für die sozio-ökonomischen Reformen eine breite Debatte in Gang zu bringen versucht. Die Reformierung des Arbeitsgesetzes, die Probleme des Rentensystems, das Mediengesetz usw. werden breit und öffentlich, gemeinsam mit den Gewerkschaften diskutiert. Zentrale arbeitsmarktpoltiische Projekte, die die derzeitige Regierung vorgenommen hat, betreffen die Änderungen des Gesetzes über Arbeitsbeziehungen. Bessere Arbeitsrechtsbestimmungen für die Arbeitnehmer_innen(Steigerung der Mindestabfindungszahlungen von sechs auf sieben Monatslöhne; Einschränkung der Einstellung neuer Beschäftigter nach teilweiser Entlassung von Beschäftigten, usw.) werden derzeit implementiert und gleichzeitig wird eine öffentliche Debatte über ein neues Arbeitsgesetz in Gang gebracht. Es wird erwartet, dass damit die Dauer der Kurzzeitarbeitsverträge(befristete Arbeitsverträge) verkürzt wird(die Höchstlaufzeit beträgt derzeit fünf Jahre). Die Reform der Rentenversicherung beinhaltet Verbesserungen für Arbeitnehmer_ innen, die unter schwierigen und gefährlichen Arbeitsbedingungen arbeiten, insbesondere im Untertagebau. Die Regierung hat darüber hinaus eine Reformierung der gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge vorgeschlagen. Sie möchte die Sozialbeiträge erhöhen, konkret die Beiträge der Rentenversicherung um 0,8 % und die Krankenversicherungsbeiträge um 0,5 % bis 2020. Trotz des Vorschlags der Weltbank, das Rentenalter zu erhöhen, werden vorerst nur Reformen im Rentensystem geplant, und zwar bezüglich der Teilnahme an der zweiten Säule(obligatorische private Versicherung), während das Defizit der staatlichen Pensionskasse durch höhere Beiträge, mehr Beschäftigung, bessere Löhne und Inanspruchnahme des Staatshaushaltes reduziert werden soll. Die neue Regierung leitete fiskalische Impulse zur Subventionierung von Investitionen und Beschäftigung ein. Die Wirtschaftspolitik konzentrierte sich auf drei Hauptpfeiler:(1) ausländische Direktinvestitionen;(2) Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des privaten Sektors durch öffentliche Infrastrukturausgaben; und(3) Beschäftigungsförderung durch aktive Arbeitsmarktpolitik und Arbeitgebersubventionen. Mehrere Richtlinien wurden überarbeitet, um ihre Wirksamkeit zu verbessern. Subventionen für Investitionen und Beschäftigung im privaten Sektor wurden ebenfalls angehoben und die neue Regierung wendet die»gleiche Subventionspolitik« sowohl für inländische als auch für ausländische Unternehmen an(zuvor wurden nur ausländische Unternehmen subventioniert). Aufgrund der Erhöhung des Mindestlohns auf 300 EUR(netto) erhalten Unternehmen für den Ausgleich dieses Anstiegs Subventionen. Die politische Krise(2015–2016) und der Machtwechsel(Mitte 2017) wirkten sich auch auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Das Wirtschaftswachstum stagierte 2017 nahezu mit einem geringen Anstieg des BIP um nur 0,2 %. Im Jahr 1
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2019
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