FES BRIEFING NORDMAZEDONIEN Gewerkschaftsmonitor April 2020 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN Mediengesetz usw. werden breit und öffentlich, gemeinsam mit den Gewerkschaften diskutiert. POLITISCHE ENTWICKLUNG Die seit Mitte 2017 amtierende sozialdemokratisch geführte Regierung um Zoran Zaev konzentrierte ihre Arbeit vorrangig auf den Bereich Außenpolitik. Es gelang ein bilaterales Freundschaftsabkommen mit Bulgarien und ein historisches Abkommen zur Lösung der Namensfrage mit Griechenland abzuschließen, letzteres brachte die Änderung des Verfassungsnamens in Republik Nordmazedonien mit sich. Die Beilegung des Namensstreits mit Griechenland ermöglichte nicht nur den im März 2020 vollzogenen Beitritt zur NATO, sondern auch die zur gleichen Zeit beschlossene und lang erwartete Eröffnung von Beitrittsgesprächen mit der Europäischen Union. Nordmazedonien, das seit 2005 Beitrittskandidat ist, hatte neben der erforderlichen außenpolitischen Arbeit auch durch die EU klar umrissene dringende Reformprioritäten innenpolitisch identifiziert und bearbeitet, die sich vor allem auf die Justiz, Rechtsstaatlichkeit, Reformen der öffentlichen Verwaltung, Medienfreiheit und Meinungsfreiheit beziehen. Die noch amtierende Regierung hat die dafür nötigen Prozesse angestoßen, jedoch benötigt die Umsetzung noch Zeit. Neben diesen Prioritäten für die europäische Zukunftsperspektive und damit auch für die langfristige wirtschaftspolitische Wachstumsperspektive hat die Regierungszeit von Zoran Zaev auch wichtige sozialpolitische Impulse setzen können. Das Wahljahr 2020 wird erneut richtungsweisend für das Land, denn damit entscheidet sich, ob der proeuropäische Reformkurs und damit auch ein nachhaltige Stärkung des sozialen Wohlfahrtsstaats weiter vorangetrieben werden wird. Wie in Nordmazedonien üblich entschieden sich die Sozialpartner den außenpolitischen Fokus der Regierung nicht zu kommentieren. Es wurde jedoch positiv bewertet, dass die Regierung für die sozio-ökonomischen Reformen eine breite Debatte in Gang zu bringen bemüht ist. Die Reformierung des Arbeitsgesetzes, die Probleme des Rentensystems, das Zentrale arbeitsmarktpolitische Projekte, die die sozialdemokratische Regierung vorgenommen hat, betrafen die Änderungen des Gesetzes über Arbeitsbeziehungen. Bessere Arbeitsrechtsbestimmungen für die Arbeitnehmer_innen(Steigerung der Mindestabfindungszahlungen von sechs auf sieben Monatslöhne; Einschränkung der Einstellung neuer Beschäftigter nach teilweiser Entlassung von Beschäftigten, usw.) wurden 2019 implementiert. Die öffentliche Debatte über ein neues Arbeitsgesetz konnte in Gang gebracht werden, jedoch noch nicht abgeschlossen werden. Es soll u.a. die Dauer der Kurzzeitarbeitsverträge(befristete Arbeitsverträge) verkürzt werden(die Höchstlaufzeit beträgt derzeit fünf Jahre), um mehr Menschen in reguläre Beschäftigung zu bringen. Weiterhin bleibt die Verbesserung der Arbeitssicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ein wichtiges Projekt, das in 2019 durch inklusive Expertenberatungen vorangebracht werden konnte, jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Die Regierung hat darüber hinaus die gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge reformiert, die Sozialbeiträge erhöht, konkret die Beiträge der Rentenversicherung um 0,8 Prozent und die Krankenversicherungsbeiträge um 0,5 Prozent. Die neue Regierung leitete fiskalische Impulse zur Subventionierung von Investitionen und Beschäftigung ein. Die Wirtschaftspolitik konzentrierte sich auf drei Hauptpfeiler:(1) ausländische Direktinvestitionen;(2) Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des privaten Sektors durch öffentliche Infrastrukturausgaben; und(3) Beschäftigungsförderung durch aktive Arbeitsmarktpolitik und Arbeitgebersubventionen. Mehrere Richtlinien wurden überarbeitet, um ihre Wirksamkeit zu verbessern. Subventionen für Investitionen und Beschäftigung im privaten Sektor wurden ebenfalls angehoben und die neue Regierung wendet die»gleiche Subventionspolitik« sowohl für inländische als auch für ausländische Unternehmen an(zuvor wurden nur ausländische Unternehmen subventioniert). Aufgrund der Erhöhung des Mindestlohns auf 300 EUR(netto) erhalten Unternehmen für den Ausgleich dieses Anstiegs Subventionen. 1
Jahrgang
2020
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